Angst vor Krebs fördert Krebs

Unsere Gesellschaft leidet an einer Angstneurose, die das fehlende Vertrauen in das Leben mit Unterwerfung unter die Schulmedizin kompensiert.

Es geht ja zur Zeit durch alle Medien, und allzu viel brauche ich dazu auch nicht zu kommentieren: Angelina Jolie präsentiert sich als modernes Vorbild in Sachen “Krebsvorsorge” und lässt sich prophylaktisch ihre Brüste entfernen und durch Silikonimplantate ersetzen. Daß sie alle Konstellationen für Krebs hat , darüber lässt sich nicht streiten, und wenn es das Schicksal will, wird er trotz Brustamputation nicht Halt vor ihr machen. Natürlich werden ihr viele Frauen folgen, denn die Angst, an Krebs zu erkranken, ist bei weitem größer, als die vor  gefährlichen Operationen. Auch in Österreich lassen sich 20% der Frauen mit dem “Risikogen” die Brüste entfernen – Tendenz steigend.

Mond-Pluto-Mars mit Bezug zum ersten Quadranten und dazu Sonne-Neptun zeigen ihre Lebensangst, und die Angst davor, Frau und Mutter zu sein. Sie lebt im Modell ihrer eigenen Mutter, die früh an Brustkrebs verstorben ist, und natürlich ist sie prädestiniert, diesen auch zu bekommen, solange sie nicht aus diesem mütterlichen Modell aussteigt. Der Krebs wird halt auf andere Organe ausweichen, wenn die Brust fehlt.

Was aber eigentlich so dramatisch an der Sache ist, ist die Tatsache, daß nun noch mehr Öl ins Feuer der Krebsangst unserer Gesellschaft gegossen wird. Ist es nicht auffällig, wie gerade bei Frauen seit Jahrzehnten die Aufmerksamkeit auf ständige Vorsorge, Selbstuntersuchungen und Wahrscheinlichkeiten gelenkt wird, an Brustkrebs zu erkranken? Und gleichzeitig diese Art von Krebs von Jahr zu Jahr öfter ausbricht, in immer jüngeren Jahren? “Angst vor Krebs” ist die moderne Form der Neurose. Der Verdacht liegt nahe, daß durch die ständige “Information” durch die Medien, Frauenzeitschriften und -vereinigungen und Forschungsinstitute in die Köpfe und Seelen der Frauen diffuse Ängste wie Viren permanent eindringen. Angst fördert Krebs und macht krank. Das Vertrauen in das Leben und das Schicksal, auch die Demut, gehen verloren – quasi die Eintrittskarte in die unerlöste Sonne-Neptun-Situation.

Eine Krankheit, die eine Zeit beherrscht, wie es offensichtlich in der unseren der Krebs ist, sagt nicht nur etwas über den Einzelnen aus, sondern auch über die Zeit, in der er lebt. Sie betrifft ihn selbst, seine Beziehungen, die Gesellschaft. Wenn der Krebs die Köpfe und das Leben beherrscht, ist das nur das äußere Zeichen dafür, wie der Mensch heute aus der Angst heraus lebt, leben muss, weil er sein Schicksal verloren hat, oder es nicht mehr versteht, und weil er die Rückbindung an das Absolute, das Vertrauen in Gott, in das Leben, verloren hat. Wo das Vertrauen und die religiöse Gewißheit fehlen, muß die Kontrolle, die Vorsorge, die Versicherung zwanghaft werden. Das Wuchern und sich Ausbreiten der Kontrollen und Vorsorgen sind das Symptom der Krankheit selbst, wie Friedrich Georg Jünger schon in den Fünfzigerjahren ganz klar gesehen hat:

Wir leben nicht mehr im Zeitalter der großen, blühenden, fressenden Seuchen, sondern in der Zeit des Krebses, der Zuckerkrankheit und der Neurosen. Zeiten, in denen Teil-Sphären des Körpers sich materiell selbständig machen und, wuchernd um sich greifend, die Form des Körpers zerstören. Man muß daher die Frage aufwerfen, ob die Krebs-Institute, die sich in allen Ländern finden, nicht mehr zur Ausbreitung als zur Heilung des Krebses beitragen, denn das Denken, das in ihnen anzutreffen ist, entspricht den physischen Phänomenen, die sich am Krebs studieren lassen.

(Friedrich Georg Jünger)

(Zitate und Andeutungen an die Gedanken F.G. Jüngers: vgl. “Die Perfektion der Technik” und “Der Arzt und seine Zeit”.)

 

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Die tanzende Nymphe: Isadora Duncan

Isadora Duncan

Isadora Duncan ist eine weitere wichtige Gestalt in der Geschichte des modernen Tanzes – siehe auch die Artikel zu Martha Graham und Pina Bausch - und schon länger hatte ich mir vorgenommen, ihr Horoskop zu deuten, auch deshalb, weil ihr wirklich dramatisches und turbulentes Leben, und vor allem durch ihren spektakulären Tod neugierig macht: Was ist das, was sich in so vernichtender Weise durch ihr Leben zog wie ein roter Faden, ihr ihre beiden Kinder nahm, ihre Beziehungen scheitern ließ, sie mit fünfzig Jahren gewaltsam aus dem Leben riß?

Isadora, eigentlich Angela Isadora Duncan, wurde 1877 in  San Francisco als Tochter einer ärmlichen irischen Einwandererfamilie geboren. Die Mutter war Musiklehrerin,  nach der Scheidung der Eltern wuchs Isadora mit den drei Geschwistern bei der Mutter auf. Später zogen sie zurück nach Europa. Man  weiß, daß sie bereits sehr früh ein “rebellisches” Wesen hatte, immer in Auflehnung gegen Bestehendes. Klassisches Ballett lehnte sie früh radikal ab, ebenso übliche “bürgerliche” Vorstellungen wie die der Ehe – in ihren Memoiren schreibt sie: „Die Benachteiligung der Frauen machte tiefen Eindruck auf mich, und das Schicksal meiner Mutter vor Augen beschloss ich damals schon, mein ganzes Leben im Kampf gegen die Ehe zu verbringen: ich wollte für die Frauenemanzipation, für das Recht jeder Frau eintreten, Kinder zu gebären, wann es ihr beliebte …

 Mit sechzehn verändert sie ihren Vornamen zu “Isadora”, entwickelt ihren eigenen, modernen Tanzstil. Immer schon hing sie den Idealen römisch – griechischer Vergangenheit an, tanzte in Chiton und Tunika, mit nackten Armen und Füßen – für damalige Zeiten und Moralvorstellungen beachtlich. Sie zog ihr Publikum in ihren Bann, und hatte in ihrem Auftreten etwas “Magisches”. Ihr “Markenzeichen” waren die erhobenen Arme, wie eine Krönung über ihrem Kopf. Sie bewegte sich schreitend, stets barfuß, und ihr Stil hatte etwas Unschuldig-Kindliches.

Originale Aufnahmen von Isadora beim Tanzen gibt es natürlich nur spärlich und in schlechter Qualität aber folgende Videos von Tänzerinnen in der Tradition ihrer Schule geben einen guten Eindruck ihres Tanzes:

Mit ihrer Schwester eröffnete sie 1904, mit 27 Jahren, ihre erste Tanzschule in Deutschland, die kostenlos allen Kindern musische Erziehung und Schulung von Körper, Seele und Geist bieten sollte. 1906, also mit 29 Jahren, bringt sie ihr erstes Kind zur Welt, Deirdre, von ihrem ersten Mann, der sie aber bald verließ, noch dazu, nachdem sie ihm eine Menge an Rechnungen bezahlt und ihn aus den Schulden geholt hatte. 1910 das zweite Kind, von ihrem nächsten Lebensgefährten, dem Nähmaschinen-Erben Paris Singer.

Isadora mit ihren beiden Kindern, im Jahre 1912.

1913, sie war also 36  Jahre alt und lebte nun mit ihrem Mann in Paris, verlor sie beide Kinder bei einem Verkehrsunfall: Die Kinder saßen zusammen mit dem Kindermädchen im Auto, und der Chauffeur vergaß, die Handbremse anzuziehen. Das Auto rollte in die Seine und beide Kinder ertranken zusammen mit dem Kindermädchen.

Nach dem Tod ihrer Kinder begann Isadora zu trinken, nahm zu und verlor ihre zierliche, anziehende Tänzerinnengestalt. Sie wurde ein drittes Mal schwanger, 1914, verlor das Kind aber kurz nach der Geburt. 1922 heiratete sie, die von jungen Jahren an die Ehe verachtete, und zwar den russischen Dichter Sergei Jessenin. Er war 26 Jahre alt – also bei weitem jünger als sie – und starb drei Jahre später, in dem er sich das Leben nahm.

Mit fünfzig stirbt Isadora, als sie in Nizza mit einem Begleiter in einem Cabrio spazieren fahren wollte: Ihr roter Seidenschal verfing sich bei der Anfahrt in den Radspeichen, und brach ihr das Genick.

Isadora gilt als eine der Wegbereiterinnen des modernen Ausdruckstanzes, und immer noch wir der nach ihr benannte Isadora-Preis für zeitgenössischen Tanz jährlich vergeben.

Isadora Duncan, A, Quelle: Astrodatabank

Der Geburtstag ist der 26.5. – nicht wie Wikipedia angibt der 27.5., wie die Gedenktafel in Berlin zeigt (siehe Bild). Die Geburtszeit beruht auf eigener Angabe bzw. Erinnerung, dürfte also als gesichert gelten. Mehrere Dinge fallen sogleich beim Geburtshoroskop ins Auge: Zum einen der verletzte Mond. Der Mond steht im Skorpion, dazu noch im achten Haus,  was sicherlich zum Teil ihre “magisch-weibliche” Ausstrahlung bewirkte. Es ist wie eine “Verzauberung” des Weiblichen, verwunschen. Das Porträt (ganz oben im Bild) ließ mich spontan an Mariendarstellungen denken, so glatt und lieblich, wie modelliert. Mond-Pluto, Mond-Mars (als Rückseite von Mond-Neptun) und Mond-Uranus ergeben zusammen das Bild der verlorenen (Frauen-)Seele am Wasser, die, selbst verwunschen und ohne Leben, nach dem fremden Leben greift und verbraucht. Es ist bekannt, daß Isadora stets jüngere Männer hatte – so sagte sie es selbst ganz offen. Das Bild der Wassernymphe, die, unschuldig blickend, barfuß tanzend, nach den Jünglingen am Ufer Ausschau hält, drängt sich da förmlich auf. Weiblichkeit wird bei Isadora, und vor allem in ihrem Ausdruckstanz, zu einem reinen, verklärten, fast göttlichen Bild gemacht: Sie tanzte mit wallenden, durchsichtigen Tüchern, zeigte viel Haut, blieb minutenlang regungslos stehen, wartend, bis alle Blicke (und es waren sicherlich viele bewundernde männliche Blicke) sich nur auf sie richteten, ent-und verhüllte sich abwechselnd, stets verführerisch, aber unschuldig wie ein Kind. Es ist das Bild des Mond-Uranus und Mond-Pluto, die unberührbare Seele, die selbst rein und göttlich werden möchte. Natürlich ist das auch der Auftrag der Mutter: Isadora sieht sich, wie sie sagt, als “Rächerin” des Scheiterns der Mutter - das Schicksal meiner Mutter vor Augen beschloss ich damals schon, mein ganzes Leben im Kampf gegen die Ehe zu verbringen: ich wollte für die Frauenemanzipation, für das Recht jeder Frau eintreten, Kinder zu gebären, wann es ihr beliebte … Es ist fast so, als hätte sie das eigene Frausein, das eigene Leben zugunsten der Mutter geopfert und gleichzeitig in göttliche Sphären erhoben. Was möglicherweise etwas ganz Ähnliches ist. Etwas stellt sich auf jeden Fall gegen das Schicksal.

Und dieses Schicksal entreißt ihr jedes Kind, das sie geboren hat – sie selbst kann nicht Mutter sein. Weil sich das so wie ein roter Faden durch ihr Leben gezogen hat, nehme ich fast an, daß der Zeitpunkt der Geburt ein paar Minuten früher gelegen haben könnte, nämlich auf dem GSP von Mond-Uranus (10° Widder).

Der Verbund geht von vierten Quadranten in den ersten, sie möchte etwas aus dem Zeitlosen in die Welt bringen – Verbundsanführer Mars steht in elf, das Uranische, der griechische Mythos, das hat sie fasziniert (was ich gut verstehen kann), und sie möchte es als Zwilling im zweiten Haus mit dem körperlichen Ausdruck in die Darstellung bringen. Das ist sicher auch der Grund, warum ihr Stil zu einer eigenen Technik werden konnte (vergleiche Martha Graham, auch eine Verbindung von Zwilling mit dem Stier, die auch eine eigene Schule und eigene Technik begründete).

Hat sie den Mythos mißbraucht? Es liegt nahe, daß sie sich mit dem Sonnenstand in Haus zwei, und dem Stier-Pluto dabei, selbst zur mythischen Gestalt machen wollte. Pluto lebt in seinen Zeichen weiter, in den Bildnissen, den Ikonen. Isadora wurde zu so einer Ikone, und der Preis für modernen Tanz, der ihren Namen trägt und jährlich verliehen wird, zeugt davon. Sie hat sich unsterblich gemacht. Daß Pluto in ihrem Horoskop mit Mars, Uranus und Mond spannungsreich verbunden ist, kommt natürlich noch dazu. Alles weist darauf hin, daß sie in ein Modell eingestiegen ist, daß das ihrer Mutter gewesen ist. Ihr eigenes Leben, und alles, was sie ins Leben gebracht hat, wurde dadurch zerstört.

Mars-Uranus und Mars-Pluto scheinen ebenfalls eine dominante Rolle in ihrem Leben gespielt zu haben. Sie war gerne in Oppositionshaltung, absolut unzeitgemäß und gegen moralische Normen verstoßend (drei Kinder von drei Männern, unverheiratet, freizügig) und schaffte bahnbrechend Neues. Sie war eine der wenigen Wegbereiterinnen des modernen Tanzes. Sie war aber auch ständig “auf der Flucht” (Mars-Pluto), ohne Heimat und Zugehörigkeit, ohne Wurzeln zu schlagen.

Mit fünfzig Jahren müsste sie, wenn der AC etwas früher, auf 10°Widder liegen würde, auf die Uranus-Auslösung gekommen sein, direkt, im Fügungsrhythmus, vom unteren Auslösungsrhythmus her  auf den Mond, was auch wieder die Mond-Uranus-Mars-Pluto-Konstellation auslöst.

Dieses Konstellationsbild wird in  schauerlicher Weise Wirklichkeit: Das Leben (Mond) wird erstickt (Strangulation, Uranus-Pluto), beim Losfahren mit einem Sportwagen (Mars-Uranus) durch einen roten Seidenschal (Mars-Uranus).

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Eros

Interview mit einem von mir Vielgelesenen – Byung-Chul Han, vorhin auf youtube gefunden:

Da es im Video angesprochen wird: der Eros als das Ego Überschreitende und die Depression Überwindende wird wunderbar beschrieben im Buch “Agonie des Eros”, erschienen bei Matthes&Seitz Berlin 2012.

Die Depression ist eine narzisstische Erkrankung. Zu ihr führt der überspannte, krankhaft übersteuerte Selbstbezug. Das narzisstisch-depressive Subjekt ist erschöpft und zermürbt  von sich selbst. Es ist weltlos und verlassen vom Anderen. Eros und Depression sind einander entgegengesetzt. Der Eros reißt das Subjekt aus sich heraus auf den Anderen. Die Depression stürzt es dagegen in sich selbst. Das narzisstische Leistungssubjekt von heute ist vor allem auf den Erfolg aus. Erfolge bringen eine Bestätigung des Einen durch den Anderen mit sich. Dabei degradiert der Andere, seiner Andersheit beraubt, zum Spiegel des Einen, der diesen in seinem Ego bestärkt.  (…)  Der Eros besiegt die Depression.

Eros ist der geflügelte Begleiter der Aphrodite, ihr Kind, ein ganz uranisches Kind, das ihre, Aphrodites Abstammung vom himmlischen Uranos zeigt. Das Entsubjektivierende des Uranus-Eros heilt vom Selbstbezug und Gefangensein im Subjektiven, der “Weltlosigkeit”, wie Han es beschreibt. Das Gebäude der menschlichen Seele hält nur, wenn es eingebettet bleibt im Weltganzen, für sich alleine verliert es sich in sich selbst und bricht zusammen.

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Der Engel

Gestern besuchte ich einen spannenden Vortrag im Linzer Priesterseminar, mit dem Titel: Faszination Engel. Biblische und literarische Engelbilder - ganz klar, daß ich da hin musste. Eine Dozentin für alttestamentliche Bibelwissenschaft der Linzer Theologischen Fakultät umriss das Bild und die Erfahrung des Engels, wie es sich in der Bibel, und – in interessantem Kontrast dazu – in der modernen Lyrik (zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts) zeigt. Ich bin sehr inspiriert worden, diesen Faden astrologisch weiterzuspinnen.

Der Engel ist in seiner Urform ein Uranus, das war schon lange meine Vermutung, und bestätigt sich wunderbar in den Erfahrungen der Menschen mit Engeln – und im Verlust dieser Erfahrung und dem Sehnen danach, wie es moderne Gedichte zeigen. Hier wird der Engel zur Metapher – zum Bild dessen, was fehlt.

Aber zurück zu den Ursprüngen: Warum ist der Engel ein Uranus? Weil er fliegt? Weil er in luftigen Sphären wohnt?

Ein Engel ist zunächst, biblisch, ein Bote, ein Vermittler, aber spezifisch als Repräsentant der göttlichen Welt. Man könnte sagen: Als Repräsentant Gottes selbst – was aber im Laufe der Geschichte immer mehr verschwimmt, und die Engelgestalt immer mehr sich abspaltet vom Göttlichen. Das zeigt sich, wenn in der Schöpfungsgeschichte Gott selbst noch im Garten Eden spazierengeht, selbstverständlich. Er geht in seiner Schöpfung spazieren, und freut sich daran – was für ein wunderschönes Bild. Es ist wie eine Erinnerung an die Zeit des Mythos, die Welt in allen ihren Erscheinungen voll göttlicher Gestalten. Nach und nach verliert sich dieser unmittelbare Kontakt, das “mitten in der Schöpfung sein”, von Angesicht zu Angesicht; und Mittler, Repräsentanten, tauchen auf. Freilich scheint immer noch, auch in einigen alttestamentlichen Texten, die Wesengleichheit auf: Im Buch der Richter erscheint dem Gideon ein Engel, der in ein und demselben Abschnitt dann auch als “Herr”, also Gott bezeichnet wird. Begegnungen mit einem Engel sind Begegnungen mit dem Göttlichen.

Was aber alle Begegnungen mit Engeln, biblisch, verbindet, und zu einer “uranischen” Erfahrung macht, ist vor allem die Situation, in die hinein der Engel in der Menschenwelt erscheint. Der Engel erscheint Jenen, die in ausweglosen, stagnierenden Lebenswegen steckenbleiben, da bringt ein Engel verändernde, aufrüttelnde Botschaften. Botschaften, die den Blick auf den Alltag verändern, Perspektiven eröffnen, Gewohntes durchbrechen. Und das ist – in der Bibel wie auch heute noch, wenn sich Uranus bemerkbar macht – keineswegs nur eine freundliche und wohlwollende Begegnung. Jeder Engel ist schrecklich – davon spricht auch Rilke in seinem bekannten Gedicht. Eine Engelerscheinung macht oft genug zuerst Angst, und es ist unbedingt notwendig, daß der Engel zuerst die Worte spricht: Fürchte dich nicht!

Begegnet der Engel in der Bibel einer Frau, dann hat das zumeist mit der Verkündigung einer Schwangerschaft zu tun. Maria steht hier nur als Letzte in dieser Tradition. Es ging auch Sara und Hagar so. Trifft Uranus auf den Mond, also das Zeugende auf das Weibliche, dann ist dies die Empfängnis, das Bild des Eisprungs. Es sind Frauen, die steckengeblieben sind auf ihren Lebenswegen, oder die eigentlich zu jung sind, um zu empfangen, wie Maria. Sara galt als unfruchtbar und zu alt, Hagar war eine Sklavin. Mitten in der Wüste erscheint zum Beispiel der Hagar der Engel, im sicheren Tod, in der Ausweglosigkeit (Gen 16,7). Er schickt Hagar zurück zu ihrem Herrn und ihrer Herrin, mit der Zusage, daß sie, sofern sie die Unterdrückung und den Haß ihrer Konkurrentin (Sara, ihre Herrin die nicht schwanger wird) aushält, sich neue Wege und Lebensveränderndes einstellen wird. Man muß das Falsche eine Zeit lang aushalten, bevor Uranus etwas Neues ins Leben bringt. Auch Simson (Ri 13) wird geboren, nachdem seiner Mutter, die als unfruchtbar galt, ein Engel mit der Botschaft der Schwangerschaft erschienen ist. Jede Empfängnis und jede Geburt ist eine Wiederkehr des Schöpfungaktes selbst, davon spricht hier der Engel. Das Wort erschafft das Leben, wie das Wort des Engels vom entstehenden Leben kündet.

Im Alten Testament wird sogar das Wort rûaḥ (רוח) verwendet, wenn von einem Engel die Rede ist – es bedeutet Wind, Atem, Hauch. Gott selbst schwebt als dieser “Geist”, wie ruach oft übersetzt wird, über den Wassern der eben vollbrachten Schöpfung.

Der Engel, als Uranus, ist archetypisch männlich, und erscheint in der Bibel durchwegs als männliche Gestalt. Dennoch steht der Engel nie im Zentrum der Engelserscheinung, sondern sein Wort, seine verändernde Botschaft. Es wäre wirklich interessant zu recherchieren, wann die Engel im Laufe der Geschichte plötzlich zu (vorwiegend) weiblichen Wesen geworden sind? Die Engel werden zu Erscheinungen der Gaia -Venus als gespiegelte untere Hälfte des Uranus. Weiblich, oft auch füllig und rund, gelockt natürlich, um das Venusbild zu vervollkommnen.

Die untere Hälfte hat sich abgespalten, und eine Wunde klafft zwischen Himmel und Erde.

Der fehlende Uranus wird in der Neuzeit immer mehr zum Bild des Engels als Bild einer Sehnsucht nach dem Verlorenen, romantisiert. Man hat den Eindruck, umso mehr Schutzengelmedaillen aufgehängt, Engelfiguren an Weihnachten verschenkt, Engelkarten gelegt werden, umso mehr haben sich die Engel bereits aus der Wirklichkeit verabschiedet. Zumindest für das sich sehnende Individuum.

Die Sehnsucht entsteht dann, wenn das Objekt der Sehnsucht bereits verlorengegangen ist. Wenn der Engel selbst in den Mittelpunkt gerückt wird, ist die Botschaft, sein Wort, verlorengegangen.

Der Engel ist, biblisch, auch ein Hüter der Grenze. Das liest sich schon am Ende der Schöpfungsgeschichte, wo ein Cherub mit Flammenschwert die Grenze zum Garten Eden bewacht. Es ist die Grenze zum Paradies, die Grenze zum Zeitlosen des zwölften Hauses, die er bewacht. Der Cherub ist mythengeschichtlich ein Mischwesen von Schlange und geflügeltem Menschenwesen – er steht als Schlange sozusagen noch mit einem Fuß im zwölften Haus, denn da wohnen die Schlangen. Die geflügelte Schlange, Uranus-Neptun, immer erschreckend im Anblick.

Erschreckend vor allem dann, die Engel aus Ermangelung einer Grenze keine Grenze mehr zu hüten haben.

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Und wieder Mars-Neptun-Träume

Der aktuelle Mars-Neptun-Transit beschert mit viele Träume, auch längst verlorengeglaubte. Nur zwei Tage nach der Begegnung mit dem Wolf träume ich seit langem wieder, daß ich alle meine Zähne verliere. Möglicherweise brauche ich sie zur Zeit auch nicht, Mars-Neptun verbietet jede Angriffskraft. Aber ich hasse diese Träume, und deshalb lassen sie mich auch immer noch nicht ganz los, nach Jahren nicht. In Wirklichkeit habe ich sogar sehr gute Zähne, das ist erstaunlich, bei den ständigen Zahnverlustträumen. Allerdings habe ich bemerkt, daß mein Zahnfleisch seit diesem Traum sich entzündet hat, es tut weh beim Zähne putzen und ist mir sehr unangenehm. Ich hab aber die Hoffnung daß sich das in den nächsten Tagen mit dem Mars-Neptun gemeinsam verabschiedet.

Am nächsten Tag träume ich wieder von Wölfen, doch diesmal in Menschengestalt. Menschen mit Wolfsmasken sind in mein Heim eingedrungen, kaum daß ich ein wenig nach draußen gegangen war. Mein Mann hat sie, nicht um ihre Gefährlichkeit wissend, eingelassen. Mit Entsetzen muß ich beim Nachhausekommen sehen, daß die Wölfe in unserem Haus sitzen, freundlich blickend, ihre Masken abgenommen. Ich weiß trotzdem daß es Wölfe sind, sie können mich nicht täuschen. Ein kurzer Blick in seinen Laufzettel bestätigt mir: Mein Mann hat auch zur Zeit die Mars-Pluto-Auslösung, außerdem auch Mars-Neptun, also kaum daß ich mal den Wölfen entkomme, öffnet er ihnen die Tür. Wir sollten gemeinsam mit den Wölfen spielen.

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Begegnung mit dem Wolf

Nach meinem Traum in der gestrigen Nacht hat mein Unbewusstes noch weiter den Faden gesponnen, den ich angefangen habe, gestern zu weben.

Heute Nacht habe ich geträumt, ich gehe in den Wald. Die Grenze zwischen außerhalb und innerhalb des Waldes war beeindruckend, ein scharfer Schnitt, von der Helle hinein in die Dunkelheit. Im Wald begegne ich sofort einem schwarzen Wolf, der mich bedrohlich ansieht. Ich sehe seine Augen noch klar vor mir. In einer völlig spontanen Aktion beuge ich mich zum Boden, greife eine Hand voll Erde und Steinchen, und werfe es von mir, mit dem absurden Gedanken, daß der Wolf, wie ein Hund, dann vielleicht auf dieses Spiel eingeht und es für mich holt wie ein Stöckchen. Tatsächlich wendet sich die bedrohliche Situation von einer Sekunde auf die andere, und der Wolf läuft, um die Steinchen für mich zu holen.

Bei Mars-Pluto geht es darum, von den Wölfen gefressen zu werden, oder einer von ihnen zu werden. Aufgewacht bin ich mit dem Gedanken: Nur ein kleiner Schritt zwischen Bedrohung und Spiel. 

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Mars-Pluto, der Waldgang

Die Furcht gehört zu den Symptomen unserer Zeit. Sie wirkt umso bestürzender, als sie sich an eine Epoche großer individueller Freiheit anschließt, in der auch die Not, wie etwa Dickens sie schildert, fast unbekannt geworden war.

Wie kam es zu einem solchen Übergang? Wollte man einen Stichtag wählen, so wäre wohl keiner geeigneter als jener, an dem die “Titanic” unterging. Hier stoßen Licht und Schatten grell zusammen: die Hybris des Fortschritts mit der Panik, der höchste Komfort mit der Zerstörung, der Automatismus mit der Katastrophe, die als Verkehrsunfall erscheint.

Tatsächlich hängen wachsender Automatismus und Furcht ganz eng zusammen, und zwar insofern, als der Mensch zugunsten technischer Erleichterungen sich in der Entscheidung beschränkt. Das führt zu mannigfaltiger Bequemlichkeit. Notwendig muß aber auch der Verlust an Freiheit zunehmen. Der Einzelne steht nicht mehr in der Gesellschaft wie ein Baum im Walde, sondern er gleicht dem Passagier in einem sich schnell bewegenden Fahrzeug, das “Titanic” oder das auch Leviathan heißen kann. Solange das Wetter gut ist und die Aussicht angenehm, wird er den Zustand minderer Freiheit kaum gewahren, in den er geraten ist. Es tritt im Gegenteil  ein Optimismus auf, ein Machtbewusstsein, das die Geschwindigkeit erzeugt. Das wird anders, wenn feuerspeiende Inseln oder Eisberge auftauchen. Dann wechselt nicht nur die Technik vom Komfort auf andere Gebiete über, sondern es wird zugleich der Mangel an Freiheit sichtbar (…).

Die Panik wird sich noch verdichten, wo der Automatismus zunimmt und sich perfekten Formen nähert (…). Sie wird durch Netze verbreitet, die mit dem Blitz wetteifern. Schon das Bedürfnis, mehrere Male am Tag Nachrichten aufzunehmen, ist ein Zeichen der Angst; die Einbildung wächst und lähmt sich in steigenden Umdrehungen. All diese Antennen der Riesenstädte gleichen dem gesträubten Haar.

(Ernst Jünger. Der Waldgang)

Der Wolf und die sieben Geißlein: Der Wolf bricht in die gemütliche Stube ein, ein Bild für Mars-Pluto.

Worte von einem Menschen mit Mars-Pluto, die mir in meiner Mars-Pluto-Auslösung wirklich gut tun. Mars-Pluto ist der Waldgang, die Vereinzelung, mit der archaischen Erinnerung an das Ausgestoßensein der “Wölfe”, die, aus der Gemeinschaft vertrieben, im Wald und vogelfrei leben mussten. Jeder konnte sie töten. Die Ächtung des Einzelnen, das Bannen aus der Gemeinschaft ist die “Wolfsfreiheit“, die auch in der Rechtssprache so bezeichnet wurde. Das erinnert mich auch an einen Traum, den meine Tochter letztes Jahr, mitten in der Zeit eines Mars-Pluto-Transits (bei mir!) hatte: verängstigt erzählte sie mir, ich wäre im Traum von einem Wolf gefressen worden. Beruhigend klang das natürlich nicht für mich, aber nun wird mir richtig klar, was das bedeutet: Mars-Pluto heißt, im Sinne der Wolfsfreiheit, frei wie ein Wolf zu werden – oder – wie von einem Rudel Wölfe gefressen zu werden, ausgeliefert zu sein. Andere Möglichkeiten gibt es wohl nicht.

Der Gang durch den Wald ist – ähnlich eigentlich meinem letzten Traumerlebnis in der letzten Nacht, ein Blick in die Finsternis, der aber heilsam wird, wenn man nicht weg sieht. Sieht man genau hinein in den Abgrund, dann werden Worte wie die oben zitierten möglich. Es ist das Aussteigen aus dem rasenden Fahrzeug, das Ernst Jünger beschreibt. Erst der Ausstieg aus dem System macht Erkenntnisse wie die eines Ernst Jünger erst möglich.  Natürlich wurde ihm das Zeit seines Lebens (und auch noch danach) als “elitäre Haltung” vorgeworfen. Er passte nicht so recht in die Welt der Titanen, der Herrschaft des Elementaren, Notwendigen, der Automatismen und der perfektionierten Abläufe.

Die Titanic musste untergehen, wie die Titanen des griechischen Mythos in der Tiefe versinken mussten. Sie sind da und existieren, aber sie dürfen nicht über die Welt herrschen – zugunsten der Freiheit des Einzelnen, wie sie der Olympier und später: das Bild des “Helden” versinnbildlicht. Notwendigkeit braucht Freiheit, Blut und Körperlichkeit brauchen den Geist, Abgesichertheit und Automatismus brauchen das Unvorhersehbare und die Fülle der Möglichkeiten.

Angesichts des “Zeitalters der Furcht”, das Ernst Jünger weise vorausschaut, wäre das eine Perspektive wider die trostlosen Tatsachen von heute. Kürzlich im Radio gehört: In naher Zukunft wird psychische Gesundheit ein Ausnahmefall sein, in den letzten Jahren stiegen Depressionen und Angststörungen um das geschätzte 130fache an.

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Leere Hüllen

In den letzten Monaten dachte ich des Öfteren: Wo sind meine Alpträume geblieben? Im letzten Jahr vor allem waren sie ständige Begleiter meiner Nächte, um dann aber allmählich wieder zu verschwinden. Ich träumte in der letzten Zeit viel, wie immer, aber nichts Beunruhigendes, eher Geschehnisse meines Alltags.

Letzte Nacht dann doch wieder einmal beunruhigende Bilder. Ich befinde mich in einer großen Halle, mit meinen beiden Kindern. Wir müssen durch diesen Raum gehen. Ich blicke um mich und sehe, daß überall tote Menschen liegen, sie sind ausgehöhlt, nur mehr Körperhüllen. Es erinnert mich an medizinische Untersuchungen, Organentnahme, so waren meine spontanen Assoziationen im Traum. Es ist ein Bild der Entwürdigung und der Sinnlosigkeit.

Instinktiv versuche ich, meine Kinder unter meinen Armen zu bergen, um sie vor dem grauenvollen Anblick zu bewahren – aber es gelingt nicht, und so gehen sie mit mir ungeschützt durch die Halle.

Aufgewacht bin ich immer noch leicht zitternd, mit der Frage nach dem Warum. Was ich im Traum gesehen habe, will ich nicht sehen.

Die Uhrzeit weiß ich nicht. Aber ich weiß aus Erfahrung, daß ich zwischen drei und vier Uhr früh am intensivsten träume, und hier hatten wir einen Steinbock am Aszendenten, und den Pluto drauf, im Quadrat zu Uranus in Haus zwei. Die Zerstörung der Substanz. Saturn am MC in Skorpion. Beinahe alle Planeten sammeln sich im Zeichen Fische – Mars, Venus, Merkur, Mond, Sonne und Neptun. Es gleicht einer Überschwemmung, und das auch noch im zweiten Haus – die totale Auflösung der Körperlichkeit, der Sicherheit, der Bequemlichkeit.

Womöglich ist es auch der Neptun auf meinem MC, der mich mit diesen Bildern überschwemmt. Saturn-Neptun (mein MC auf 2°Fische) ist der Dammbruch. Uranus möchte hervorbrechen, aber was kommt, ist ein Uranus-Pluto. Das hat schon mit meiner persönlichen Situation zu tun – Auslösung von Uranus-Pluto und Mars-Pluto, diese Wochen auch noch Mars-Neptun – aber dennoch denke ich, daß der Auslöser dieses Traums mit etwas “Überpersönlichem” zu tun hat, und nicht meinem subjektiven Empfinden und Erleben entspringt, zumindest nicht nur. Neptun als Anführer Anfang Fische und alle persönlichen Planeten wandern durch mein zehntes Haus, was für einen “Einbruch aus dem Zeitlosen” spricht. Es “gehört” mir nicht, aber es gehört dennoch zu mir.

Das erinnert mich an ein Gefühl, daß ich zeitlebens immer wieder gehabt habe und sicher mit meinem Mars-Neptun zu  tun hat: Dinge zu sehen und zu bemerken, oft wie zufällig, die ich eigentlich gar nicht sehen will und dann doch irgendwie auf meiner Seele lasten.

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Gestalten des Seins

Da ich gerade beim Lesen der Bücher des Altphilologen Walter F. Otto bin (und mittlerweile beim zweiten Hauptwerk “Dionysos” angekommen), kann ich meinen Lesern ein einfach wunderschönes Zitat nicht vorenthalten:

Es ist die Art des griechischen Mythos, Grundgestalten des Seienden zu erfassen. Und sie treten, bei aller Klarheit und Bestimmtheit, mit der ganzen Frische des Naturhaften hervor. Alle Milderungen der gerührten Seele, alle Übertreibungen des trotzigen Geistes bleiben ferne. Die Urwelt blickt und atmet aus der lebendigen Form. (…) Das Urweltliche ist das Lebendige, ja es ist allein wahrhaft lebendig. Nicht durch ein subjektives Bildnertalent besitzen die Schöpfungen des griechischen Mythos jene unvergleichliche Lebenskraft, die sich in Jahrtausenden als lebenerweckend erwiesen hat, sondern durch das Auftauchen der Urwelt, die sie zu rufen vermocht haben.

Schöner kann man das Schöpfen aus dem zwölften Haus nicht beschreiben: Es ist das Auftauchen der zeitlosen Ur-Gestalten, vielfältig und vielgestaltig wie das Leben selbst. Die Götterwelt ist die Wirklichkeit des Seins selbst, Ausdruck ihrer unterschiedlichen Erfahrungen und Weisen des Erlebens.

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Neptuns Pferde

Auch aus aktuellem Anlass: Alle Welt redet von Pferdefleisch, das ahnungslose, von der Lebensmittelindustrie zum Narren gehaltene Konsumenten womöglich seit Jahren schon zu sich nehmen. Natürlich handelt es sich durchwegs um Fertigprodukte wie Wurstwaren und Fertiggerichte; verarbeitete Lebensmittel, bei denen kein Normalverbraucher auf das vertrauen sollte, was auf der Verpackung steht. Man kann getrost davon ausgehen, daß noch bei vielen weiteren Produkten allerhand Täuschungen auffliegen werden.

Neptun steht auf 2°Fische, in den letzten beiden Wochen auch noch in Konjunktion mit Mars – da wird ent-täuscht, und die Wirklichkeit bricht herein. Man erschaudert. Pferdefleisch ist ein Tabu. Warum eigentlich?

Befragt man den Mythos, zeigt sich das Pferd als Tier des Poseidon. Er erscheint selbst in Gestalt eines mächtigen Rosses, oder er reitet auf einem Pferdegespann. Das Pferd ist eine neptunische Gestalt, wohlgemerkt: das wilde, ungezähmte Pferd. Ich stelle mir gerade eine Herde wilder Pferde vor, galoppierend auf freier Ebene – einem vormodernen, “unaufgeklärten” Menschen muß das wie eine Erscheinung des Erdbeben- und Donnergottes selbst gewesen sein.

Der Tierkreis. Links die Zeichen Widder(unten) und Fische(oben), entsprechend dem individuellen Horoskop das erste und zwölfte Haus als Analogien zu den Herrschen Mars und Neptun.

Mars-Neptun, im Mythos die Gestalt des Poseidon, ist die wilde Urgewalt der Natur, und auch der Dreh- und Angelpunkt des Horoskops: Die Initialzündung des Lebens, die Teilung der Erde. Das erklärt auch, warum im Mythos der Meeresgott eine enge Verbindung mit den weiblichen Erdgottheiten hat: In einer arkadischen Mythe wird erzählt, Poseidon liebte in Gestalt eines Pferdes die Demeter. Demeter als Muttergöttin und Garantin der Fruchtbarkeit ist natürlich astrologisch dem Zeichen Stier/ Venus zuzuordnen. Ähnlich der Mythos, in dem bei der Vereinigung des Poseidon mit Medusa das geflügelte Pferd Pegasos hervortritt: Medusa ist ebenfalls eine erdbezogene Gottheit, ihr Name bedeutet “die Waltende”, was sofort an die Urmutter Gaia denken lässt. Das geflügelte Pferd ist dann schon die Folge der Teilung von

Pegasos und Bellerophon.

Mars-Neptun, nämlich Uranus-Venus. Er ist das “Blitzpferd” – wobei wir wieder bei den neptunischen Blitzen des letzten Artikels wären – er nämlich ist es, der Blitz und Donner erst zu Zeus bringt. Also in der Sprache der Rhythmenlehre: Uranus-Venus bringt einen Mars-Neptun (die Lücke dazwischen), nämlich Blitz und Donner.

Und wer lässt schon gerne einen Mars-Neptun ins Leben? Poseidon reißt alle Sicherheiten nieder, und die Fundamente der Welt werden erschüttert. Eine Mars-Neptun-Auslösung im Horoskop kann wie ein Erdbeben empfunden werden, bei dem alles auf den Kopf gestellt wird, aber letzten Endes das Gefühl einer “Bereinigung” bleibt. Die Wirklichkeit hat sich durchgesetzt, die falschen Fassaden des Lebens sind abgebröckelt. Mars-Neptun als “Initialzündung” der Schöpfung hat alles ans Licht geholt, was zuvor noch im Verborgenen lag. Das ist auch der Grund, warum Menschen mit Mars-Neptun im Geburtshoroskop oft schöpferische Inspirationsquelle für Andere sein können – unbewusst, oft ganz ohne Absicht. Alleine die Gegenwart eines Menschen mit Mars-Neptun kann im Gegenüber verborgene Potentiale – aber auch Unangenehmes, Verdrängtes – ans Licht holen. Der alte Grieche hätte hier gesagt: Poseidon hat die Gestalt dieses Menschen angenommen und einen Besuch abgestattet.

Man darf also gespannt sein, was der Erdbebengott in der nächsten Zeit noch so alles erschüttert…

 

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