Einer meiner ersten Artikel hier drehte sich um die Sonne-Neptun-Konstellation. Wenn ich jetzt, ein Jahr später, nur auf die Überschrift dieses Artikels blicke, bin ich schon sehr erstaunt. Wie zutreffend, im Rückblick auf das, was das letzte Jahr über in meinem Leben so alles geschehen ist. Und das Lebensgefühl, das ich großteils hatte, ist das, was ich in diesem, vergangenen Artikel “Identitätskrise” nenne.
Im aktuellen Solar (Jahreshoroskop), das immer noch bis zu meinem Geburtstag gilt, steht die Sonne in Haus 12, wie in meinem Geburtshoroskop. Also ein Sonne-Neptun-Thema dieses Jahr, verstärkt. Es ist ohnehin immer da, durch meinen Sonnenstand und die Sonne-Neptun-Opposition in meinem Horoskop.
Die ewige Suche
Mir sind heute noch spontan einige Bilder in den Sinn gekommen, die die Thematik von Sonne-Neptun beschreiben: die ewige Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Es ist die Suche nach dem Leben, nach der eigenen Lebendigkeit, der je eigenen Ausdrucksweise, wie im vergangenen Artikel beschrieben. Es ist aber auch, und das ist oft die konkrete Auswirkung davon, das Suchen des Ortes, der Gemeinschaft, dem Platz, an dem man sich zuhause und zugehörig fühlt. Vorwegnehmend kann ich schon sagen, dass das Ganze natürlich darauf hinausläuft, eben nirgends richtig “daheim” zu sein. Oder besser: Überall und nirgends. Sonne-Neptun -Menschen haben etwas Ungreifbares an sich: Anpassungsfähig und veränderlich, fügen sie sich schnell in (oft auch ungeeignete) Strukturen ein. Chamäleonartig. Bis wieder die Erkenntnis kommt: Und hier gehöre ich wieder nicht hin. Wieder Heimat- und Orientierungslosigkeit. Und wieder die Suche nach den nächsten sich bietenden Strukturen, in die sich die ratlose Neptun-Sonne hineinbegeben kann.
Ein ewiger Teufelskreis? Die Gefahr ist sicher groß. Das einzige, was diese Angst (und es ist immer eine tiefsitzende Lebensangst, die den Sonne-Neptun-Menschen in die ewig-aussichtslose Suche treibt) lösen kann, ist der Weg in die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Es sind gerade Menschen mit diesen Veranlagungen, und hier spreche ich ganz einfach auch von mir persönlich, deren wichtigste Aufgabe im Leben zu sein scheint, wirklich aus sich selbst etwas ins Leben zu bringen, und das nicht im Aussen, im Vorgegebenen zu suchen. Ich brauche mich nicht einzufügen, ich brauche auch nirgends “dazugehören” – wenn ich in klaren Momenten diese Erkenntnis vor mir sehe, ist das wie ein Aufatmen.
Etwas Besonderes sein?
Letzte Woche habe ich meine Mutter darauf angesprochen, dass ich immer wieder in Situationen, öfter noch: in Gruppen gerate, wo ich plötzlich das Gefühl bekomme, nicht hinzugehören. Das kann so plötzlich kommen, dass ich regelrecht erschrecke. Vor allem dann, wenn ich mir vorher sicher war, am richtigen Platz zu sein. Die -wie immer kurze und sehr prägnante Antwort ihrerseits: Ja ich weiss, du möchtest etwas Besonderes sein. Im ersten Moment wehrte sich alles in mir gegen diese Aussage. Ich wehrte ab: Nein, ich werde eben unsicher, habe Angst, am falschen Ort zu sein. Meine Mutter darauf: Aber du bist etwas Besonderes, einfach anders als die meisten Anderen. Mein Bauchgefühl sagte hier sofort JA. Bin ich etwas Besonderes? Eine große Versuchung, die ich bei mir genauso erfahren habe, ist die, sich seiner selbst plötzlich zu sicher zu sein. Die Grenze zwischen Größenwahn und tiefgreifenden Selbstzweifeln und Durchsetzungsschwäche ist bei Sonne-Neptun-Menschen, also auch bei mir, nicht klar auszumachen. Das führt bei mir oft dazu, dass ich mich einer Sache, einem Menschen, einem Ziel sehr schnell verschreibe, nur um dann, nach der logischen Enttäuschung, mir meiner selbst überhaupt nicht mehr trauen zu können. Wer bin ich eigentlich wirklich? Nach Phasen zu starker Anpassung kommt als Konsequenz die echte Sonne-Neptun-Lebenskrise. Das “Besondere” ist das im wörtliche Sinne “Ab-Sondernde” an einem Sonne-Neptun-Menschen. Ich erfahre das an mir selber: Ich suche die Zugehörigkeit in Systeme, Gruppen, Weltanschauungen dann verstärkt, wenn ich mich schwach und orientierungslos fühle, nur um dann erst recht ernüchtert und letzten Endes geschwächt zu werden durch die Erkenntnis, keine Zugehörigkeit zu finden.
Die klassische Aussenseiterkonstellation? Möglich. Es ist eben notwendig, hier nicht zu werten: Es ist nicht gut oder schlecht, zum Beispiel in Gruppen, am Rand zu stehen. ich erinnere mich hier an Wolfgang Döbereiner, wenn er vom “outlaw” spricht: Immer wieder betont er, der Astrologe habe ein outlaw zu sein. Er ist nicht zugehörig. Aber gerade deshalb ist er frei, unabhängig, und kann ohne Bewertungen und Beurteilungen Deuten und Verstehen. Ich erlaube mir, dass zu erweitern auf Menschen mit dominantem Neptun und Sonne-Neptun-Themen. Die Lösung ist die, nicht dazuzugehören, und gerade deshalb eigenständig und ohne Anpassungszwänge leben zu können.
Ein kleines Stück weiter auf diesem Weg bin ich im vergangenen Jahr mit Sicherheit gekommen.



Hallo Julia,
Danke für Deine Gedanken. Es gibt nur sehr Wenige in diesem Zeitalter die noch die zeitlosen Tiefen der Seele beschreiben. Es freut mich Deine Worte zu lesen.
love
Volker
(12. Juni 1943, 01:30 DSZ, Ellwangen an der Jagst)