Fronleichnam, ein Fest für Mond-Pluto?

Ich habe mich schon länger gefragt, was es mit der – eigentlichen – Bedeutung des Festes Fronleichnam auf sich hat. Ich habe die Notwendigkeit dieses Fest nie wirklich verstanden, auch die Verehrung der Monstranz und das zur Schau stellen derselben nicht.

Die Verehrung des lebendigen Leibes des Herrn – denn das bedeutet der Begriff “Fronleichnam” – beruht auf den jahrzehntelangen Visionen und Träumen der Augustiner Chorfrau Juliana von Lüttich (*1192) – sie wurde 1869 heiliggesprochen.

Juliana von Lüttich

Früh verwaist, wird sie ins Kloster gegeben, mit 13 Jahren eingekleidet. Gemäß dem Stil der Zeit wurde sie in einer Frömmigkeit erzogen, die sehr an der eucharistischen Präsenz Jesu in der Hostie orientiert war, das hatte sie voll und ganz verinnerlicht. Etwas zu sehr, denn schon bald stellen sich Visionen ein, in denen sie einen vollen Mond erblickt, der durch einen Riss verdunkelt ist, ein dunkler Fleck in der weißen Scheibe des Mondes. Über zwanzig Jahre lang hat sie diese Vision, und sie deutet das als Zeichen dafür daß der Kirche (Mond) ein wichtiges Fest zur Ehrung der Eucharistie fehlte (der dunkle Fleck im Mond). Von ihren Mitschwestern wird sie allerdings nicht verstanden, mehrmals wird Juliana aus dem Kloster vertrieben, um sich dann völlig zurückzuziehen. 1258 stirbt sie, ihre Gefährtin Eva nimmt ihre Vision daraufhin in die Hand und versucht, damit die Kirchenoberen zu überzeugen, daß wirklich ein wichtiges Fest im Kirchenjahr fehlen würde. 1264 schließlich willigt Papst Urban IV ein und legt das Fest Fronleichnam offiziell als Fest der katholischen Kirche fest.

Die zu Fronleichnam verehrte Monstranz: eine helle Mondscheibe inmitten von Gold, ein Bild für Mond-Pluto.

Was fällt sogleich auf? Der verdunkelte Mond, das kann kein Zufall sein, daß ich hier an Mond-Pluto denke, oder? Auch der Konflikt mit den Mitschwestern, das Vertriebenwerden durch dieselben, erinnert doch an eine Ausprägung einer  Geschlechtskonkurrenz (Mond-Pluto als verschärfte Form von Mond-Neptun). Zudem ist die übersteigerte Frömmigkeit in Form der leidenschaftlichen Hingabe an das religiös Verehrte (ja, durchaus mit sexuellen Konnotationen, wie es sich aus zahlreichen Visionen von Mytiker/Innen herauslesen lässt) ebenso eine Entsprechung für Mond-Pluto. Das schafft durchaus eine Nähe zu den Marienerscheinungen (empfehlenswert dazu das Buch von Viktoria Mosmann-Möller, Die Himmelskönigin), ein Phänomen, bei dem die Konstellationen Mond-Neptun und Mond-Pluto eine herausragende Rolle spielen.

Sehr wichtig und von Bedeutung für die Art der Frömmigkeit der Juliana ist der weltanschauliche Hintergrund der Zeit. Wenige Jahre nach dem Auftreten der Visionen vom verdunkelten Mond findet das 4. Laterankonzil (1215) statt, in dem ein sehr wichtiger Punkt das Verständnis der Eucharistie darstellt: Vehement wurde in Abgrenzung zu den Häretikern betont, daß Jesus Christus leibhaftig gegenwärtig in der gewandelten Hostie begegnet. In der daraufhin verbindlich werdenden Transsubstantiationslehre wird festgelegt, daß es sich hierbei um eine Wesensverwandlung handelt: In Anlehnung an die aristotelische Begrifflichkeit verwandelt sich das Wesen (Substanz), nicht aber die Akzidentien (die sinnlichen wahrnehmbaren Faktoren). Weitere wichtige Punkte sind die Bekräftigung des allgemeinen Glaubensbekenntnisses (filioque), ein Dekret des Aufrufs zum Kreuzzug (der dann allerdings nicht zustandekommt), der Primat des Papstes (Vormachtstellung des römischen Papstes vor der Orthodoxie) und die verpflichtende öffentliche Kennzeichnung für Juden und Muslime. Man kann sagen, der Inhalt dieses Konzils ist eine Antwort auf die Stimmung des vorangegangenen Jahrhunderts: Der Universalienstreit in der Philosophie, Kreuzzüge, die Abwehr und Verfolgung von Ketzern und Häretikern, also der entstehenden Laienbewegungen (Katharer und Waldenser), sowie die Entstehung der Inquisition.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Warum wurde es notwendig, das Fest Fronleichnam als verbindlich zu feierndes für die Kirche festzulegen? Dabei stellt sich mir überhaupt die Frage, inwieweit ein Fest not-wendig ist, und nicht einfach Ausdruck der Dankbarkeit, Erinnerung und Freude der Menschen sein darf.

Das Äqinoktiumshoroskop des Jahres 1264 auf Rom bezogen zeigt auf jeden Fall den von mir auch erwarteten Mond-Pluto.

Frühjahrsäquinoktium 1264

Der AC auf 2° Schütze (Gruppenschicksalspunkt von Mars-Pluto) zeigt es ganz deutlich: Hier wird etwas gefügt, und zwar Verdrängtes.

Im Empfinden der Menschen soll etwas verändert werden – Standort des vierten Hauses der Sonne, des Jupiter und der Venus – und zwar im Sinne des Jupiter-Venus als Rückseite von Mond-Uranus. Der befleckte Mond soll wieder rein werden, was meiner Meinung nach der dunkle Riss im Mond zeigen möchte, sofern er wirklich etwas je gezeigt hat. Der Mond galt, wie Maria, als Sinnbild der Kirche, und wird, aus den Geschehnissen des 12. Jahrhunderts, und wird zunehmend verklärt und einer Reinheitsideologie unterworfen. Hier ergibt sich jetzt umso mehr die Nähe zu späteren Marienerscheinungen und den darauf gründenden Dogmen der Unbeflecktheit Mariens (ja, und das bedeutet in zunehmendem Maße auch die Unberührbarkeit und Reinheit der Kirche, für die Maria als Symbol gesehen wird).

Bestätigt wird das zusätzlich noch vom gespiegelten Jupiter in Opposition zum Mond. Dieser Mond steht auf dem Gruppenschicksalspunkt von Uranus-Saturn, die in der Rhythmenlehre unter anderem auch dem Filioque zugeordnete Konstellation (Uranus-Saturn als Konflikt um die Vormachtstellung zwischen Uranus/Heiliger Geist und Saturn/Sohn – das Fronleichnamsfest erhält hier also den direkten Bezug auch hierzu.

Das Ganze wird – in Verbindung mit Merkur stehend, in Haus drei – geregelt.

Mars-Saturn, widerstandsorientierte Energie, entspricht der Haltung der Kirche (und der Grundhaltung dieser Zeit), mit der diese das Unreine aus ihrer Mitte dogmatisch zu beseitigen und Andersdenkende ausgrenzen zu suchte. Dieser Mars ist ein Mars-Neptun, das heißt gemäß des AC in Wirklichkeit ein Mars-Pluto. Anstatt der Möglichkeit einer echten Bereinigung und Klärung also umso mehr die Verfestigung des Verdrängten, im Sinne Mond-Plutos: des verdrängten Lebens.

Interessant in diesem Zusammenhang, weil geistiger Nährboden dafür: Das Äquinoktiumshoroskop des Jahres 1215, das Jahr des 4. Laterankonzils, bezogen auf Rom.

Frühjahrsäquinoktium 1215

Das Jahr des Konzils hat den Mond-Pluto in Haus sieben, wenig überraschend. Auf dem Gruppenschicksalspunkt von Venus-Pluto, also im Sinne einer Clanbildung: Die Kirche grenzt sich gegenüber der Welt immer mehr ab. Auch Uranus-Saturn ist zu finden, in Opposition zur Sonne. Man könnte fast behaupten, alle wichtigen Beschlüsse der Kirche sind eingefärbt vom Filioque des 4. Jahrhunderts – unwiderruflich.

Der AC liegt am Gruppenschicksalspunkt von Uranus-Pluto, die Grundstimmung ist also die einer Ruhe vor dem Sturm: Der Container ist voll und möchte gesprengt werden, die Möglichkeiten wären da, denn Mars-Neptun (schon wieder) kehrt das Innen nach Außen, das Ungelöste ans Licht und möchte bereinigen – angesichts der Konzilsbeschlüsse ist allerdings fraglich, ob das gelungen ist. Aus diesem Mars-Neptun muss folgerichtig ein Mars-Pluto werden, wie man im Jahre 1264 sieht.

Was hat also Juliana gesehen, als ihr der verdunkelte Mond erschien?

Ich kann mich nicht gegen den Gedanken wehren, daß möglicherweise ihr eigener, verletzter Mond es war, der ihr da begegnet ist, und den die Kirche als Bild bereitwillig aufgegriffen hat. Einiges spricht dafür: Sie wurde mit nur fünf Jahren Waise (möglicherweise auch mit Mond-Saturn), sie wird in ein Kloster geschickt, sie wird von den Mitschwestern drangsaliert, sie scheint leicht beeindruckbar und in ihrer Frömmigkeit leidenschaftlich und übersteigert gewesen zu sein – alles Mond-Themen.

Blumenteppich vor dem Fronleichnams-Altar

Und noch ein Indiz gibt es für die Nähe des Fronleichnamsfestes zur Mond-Pluto-Thematik: Die Blumen. Das ist ein Brauchtum, der sich allerdings erst später entwickelt hat, daß bei den Prozessionen Blumen gestreut oder, vielfach verbreitet, Bilder aus Blumen gelegt werden. In der griechischen Mythologie tauchen die schönsten Blumen immer dann auf, wenn jemand stirbt, sprich: vor dem Nahen des Gottes Hades. Mit den Blumen lockt er Kore/Persephone (Mond-Pluto) in die Unterwelt, und die schönsten Jünglinge sterben und verwandeln sich in Blumen. Der Vergleich mag weit hergeholt erscheinen – diese Assoziation ist mir einfach spontan gekommen und wird ihren Grund haben.

Im Blick auf das Fest Fronleichnam bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack.

 

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3 Antworten auf Fronleichnam, ein Fest für Mond-Pluto?

  1. Mythopoet sagt:

    Hallo Julia,

    Deine ganz hervorragende Betrachtung
    habe ich im astro.com-Forum bekanntgemacht:

    => http://forum.astro.com/cgi/forum.cgi?lang=g&num=1338917797

    …aus Mond-Pluto erwächst: SONNE-JUPITER…

    Herzliche Grüße
    Mythopoet

  2. Renate sagt:

    Liebe Julia!

    Dein Text von Fronleichnam hat mich tief berührt, zumal ich mit dem Fronleichnamsfest nur schöne Kindheitserinnerungen verbinde. Ich habe dieses Fest sehr geliebt, und auch heute noch nehme ich an Prozessionen teil, wenn es gerade passt. Heuer war ich nicht dabei.Besonders am Land, wenn die Prozession über die Fluren geht, berührt mich das sehr. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Mond -Pluto ja die INBRUNST laut Döbereiner, was ja auch der Mystik entspricht. Inbrunst dürfte auch dabei sein, wenn die Monstranz nach allen Richtungen gezeigt wird. Zuminedest kommt das mir so vor.
    Was die Blumen betrifft, auch bei Begräbnissen gibt es Blumen. Hier stimmt das Bild von der Mythologie.
    Doch was die Bedeutung der Fronleichmansfestes betrifft, soviel ich weiß, ist hier eine Beziehung zum Gründonnerstag vorhanden .

    Lieben Gruß Renate

    • Julia Matzinger sagt:

      Liebe Renate,

      Alle Kinder mögen Fronleichnam, ich hatte es auch gerne, die Prozession und die Blumen. Das ist vielleicht wegen dem Mond.
      Der Saturn-Uranus, der in diesem Fest drinsteckt, zeigt sich auch darin, dass die Transsubstantiationslehre und das Verständnis der Eucharistie von Luther nicht anerkannt wurde, was mit zur Trennung und Abspaltung (Saturn-Uranus) geführt hat. Die katholische Kirche hat dann die Prozessionen eingeführt, erst viel später nach der Festlegung des Festes, auch um nach außen zu demonstrieren (da steckt ja auch das Wort Monstranz drin), daß die katholische Kirche im Besitz der wahren Eucharistie sei. Also das Demonstrieren des Trennenden.
      Es stellt sich bei vielen im Lauf der Kirchengeschichte festgesetzten und verordneten Festen, die nicht auf die Urkirche zurückgehen, die Frage, warum diese hinzugefügt wurden. Oft hatte dies politische Gründe, oder die der Abwehr von “gefährlichen” Einflüssen von Außen (“Reinhaltungsgründe”).

      Liebe Grüße
      Julia

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