Gehobene Schätze aus meiner Jugend

Gestern war ich in meinem Kellerabteil, um dort ein bisschen aufzuräumen, da fallen mir meine alten Tagebücher aus meiner Jugend, als ich zwischen 13 und 15 Jahre alt war, in die Hände. Noch im Keller stehend, habe ich darin zu lesen begonnen, gefesselt von meinen eigenen Worten, die nach so langer Zeit wieder zu mir kommen.

Gerade in den letzten Wochen habe ich oft über das Schreiben nachgedacht. Ich habe geschrieben, seit ich denken – oder besser: seit ich schreiben kann. Schon als Schulkind habe ich Geschichten erfunden, “Bücher” geschrieben, indem ich Seiten zusammengeheftet und beschrieben und illustriert habe. Meist waren es Meerjungfrauengeschichten, oder zumindest Geschichten, in denen eine auf irgendeine Art verzauberte Frau vorkommt, die dann am Schluss erlöst wird. Ich habe dann weiter geschrieben, in Tagebüchern, die ich immer wieder angefangen, beendet, wieder neu begonnen habe. Mit etwa 15 Jahren habe ich aufgehört zu schreiben. Warum? Es wird mir immer mehr bewusst, wie wichtig das Schreiben für mich ist. Nicht zu schreiben, obwohl es meiner Veranlagung voll entspricht, ist eine Verhinderung, und geschieht aus Angst.

Schreiben macht furchtbare Angst. Im Schreiben werden Dinge bewusst, artikuliert, erkannt, die sonst diffus und ungeordnet im Ungreifbaren – Unbeschreibbaren – liegenbleiben.

Diese Angst habe ich als Kind noch nicht gekannt, und jetzt als Frau muss ich sie hinnehmen als das was sie ist.

Mit Schrecken und innerer Bewegtheit zugleich habe ich eine Geschichte in einem meiner frühen Tagebüchern entdeckt, kurz vor der Zeit, in der ich aufgehört habe zu schreiben.  Ich war 15 Jahre alt, und habe Worte und Gedanken niedergeschrieben, die mich heute, 15 Jahre später, irritieren und zugleich zu Tränen rühren, wenn ich daran denke, wie ich zu dieser Zeit wohl gar nicht nachgedacht habe  (das tue ich eher heute viel zu viel), aber Sehnsüchte und Ängste aus dem Unbewussten direkt zu Papier gebracht habe – und diese Angst meiner Jugend war nicht gering, den Zeilen zufolge, und hat mich wohl irgendwann einmal verhindert weiter zu schreiben. Im Folgenden die Geschichte:

Es war einmal ein Mädchen.

Es war einmal ein Strand.

Es war einmal, vor der Zeit von heute.

Es war einmal das Wasser, die Wellen, schäumend und sich kräuselnd und warm und weich und seidig umhüllend sangen sie dem Mädchen ihre schönsten Lieder vor.

Es war einmal – das Meer.

Freudig begrüßte es das Mädchen an jenem jungen Morgen mit einem neuen Lied, und Möwen und Fische sangen mit, und alles versank und verschmolz ineinander zu einem einzigen vibrierenden wohligen Gesang.

Und das Mädchen war darüber sehr glücklich.

Es war einmal der Sand, der ihre Spuren trug, und verwischte sie nie, denn sie waren Erinnerungen. Der Sand kroch zwischen die Zehen des Mädchens. Es kitzelte.

Das große Taglicht erreichte das Zelt des Himmels bald und schenkte der Welt ihre schönsten Strahlen.

Ja auch die Sonne, sie war einmal.

Und das Mädchen war glücklich.

Es liebte seinen Freund, das Meer, und war glücklich, einen Freund zu haben. Es liebte die Fische und Möwen. Es liebte den Sand, den Himmel und die Sonne. Auch den Mond liebte das Mädchen. Es liebte die Nächte, in denen Bruder Mond kreisrund am Himmel stand und die schönsten Lichter auf das wogende Wasser zauberte.

Doch an jenem Tag wurde alles anders.

Schwester Sonnes Licht wurde von Wolken verdeckt, und die Welt schien in einer ewigen Dämmerung zu versinken. Die Möwen und das Meer – sie sangen nicht mehr. Stille kehrte ein, und das schreckliche Gefühl der Kälte und Leblosigkeit suchte das Mädchen heim. Der Sand verwischte die Spuren des Mädchens, und bald waren alle schönen Erinnerungen verloren.

Dann kamen viele Menschen.

Es waren so viele Menschen, dass das Mädchen Angst bekam. Es hatte schreckliche Angst. Das Meer, das jetzt völlig still dalag und nicht mehr sang und dem Mädchen Geschichten erzählte, spürte eines Tages die Tränen des Mädchens in sich und rief es zu sich. Und das Mädchen wusste, noch immer einen Freund zu haben.

Noch einmal spürte es seine Wellen. Das Wasser umschlang ihren kleinen Körper und liebkoste es zärtlich. Fast glaubte es sogar, wieder die alten Lieder zu hören. Doch es herrschte die Stille und Kälte.

Und als das Mädchen wieder glücklich wurde, umschlungen von den Armen ihres Freundes, in völliger Sicherheit und Geborgenheit, zersprang es in tausend glänzende und schimmernde Perlen, die nach und nach mit dem Wasser verschmolzen und nicht mehr sichtbar waren.

Es war einmal ein Mädchen.

Es war einmal vor dem Heute.

Es war einmal.

Jetzt noch während ich diese Zeilen niederschreibe, bin ich aufgewühlt und den Tränen nahe. Ich kenne auch die Gedichte, die ich nach dieser Zeit noch geschrieben habe, sie handeln allesamt vom Tod und der Auflösung im Nichts. Meine frühe Jugend habe ich in phasenweiser Todessehnsucht verbracht. Es ist mir von Anfang an schwer gefallen, meine Kindheit loszulassen und in die Welt hineingeboren zu werden, als Frau, als Erwachsene. Die Sehnsucht nach Auflösung kenne ich sehr gut, bis heute. Umso mehr erschrecke ich, wenn ich genau diese Angst und diese Sehnsucht jetzt lese, beschrieben von mir vor bereits 15 Jahren, fast noch als Kind. Schrecklich und schön zur selben Zeit.

Ich erinnere mich dass es etwa ab meinem fünfzehnten Lebensjahr begonnen hat, dass ich fremde Identitäten bewusst gesucht und übernommen habe. Natürlich – auf irgendeine Art und Weise machen das fast alle Jugendliche. Aber ich bin mir sicher, dass ich dass sehr intensiv betrieben habe, und das ganz bewusst. Und ganz bewusst über “Beziehungen” zu jungen Männern, Burschen besser gesagt, in diesem Alter; die ich gesucht habe, leicht bekommen habe, mich angepasst und dann aus der Angst, die sich (logischerweise) daraus ergab, wieder fallen gelassen und beendet habe. Gelernt daraus habe ich erst jetzt, meinem Gefühl nach erst in der Beziehung, in der ich jetzt stehe.

Astrologisch übrigens beschreibe ich in meinen Zeilen genau die Sonne-Neptun-Angst, die in der Auflösung des eigenen Ich und der Identität besteht – und die ich dann aggressiv bekämpft habe in der ewigen Identitätssuche, die ja nur daraus bestanden hat, Fremdes zu übernehmen. Und das in Bildern, die mich einfach erstaunen. Ich hatte keine Ahnung von Astrologie in diesem Alter, aber die Bilder sind klar und deutlich. Die Sonne-Neptun Verbindung in das zwölfte Haus hinein, die Zeit, in der die eigene Identität erwacht, in der Jugend, und damit die große Angst, ungeschützt und “anders” zu sein, ausgeliefert, die vielen Menschen, die Verunsicherung, wer bin ich eigentlich. Und die Flucht in die völlige Auflösung.

Dennoch: Wahre Schätze, die da in meinem Keller gehoben wurden.

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Mars-Neptun, der Zahnverlust.

Jetzt ist es mir so richtig klar geworden: Meine über Jahre sich hinziehenden Träume, in denen mir nach der Reihe die Zähne aus dem Kiefer brechen – ich dachte erst das habe mit Mond-Pluto zu tun, denn zum Zeitpunkt des Träumens ist immer diese Konstellation gegeben.

Mars, das Prinzip des kriegerischen Durchsetzens

Das ergibt sich daraus, dass ich einfach immer die Neigung zu Alpträumen habe bei Mond-Pluto – das Thema dieser Träume ist allerdings ein Marsthema. Die Zähne als Beisswerkzeuge sind ein Instrument zur Selbstdurchsetzung, etwas Raubtierhaftes, und daher eine Mars-Analogie. Kommt der Neptun dazu, hebt dieser diese Durchsetzung auf.

Ist die Konstellation, wie bei mir, im Geburtshoroskop gegeben, ist die Eigendurchsetzung geschwächt, man “tarnt” sich.  Die Konstellation gewinnt dadurch das Kennzeichen erstens des “Bereinigens”: Der Betreffende hat die Funktion eines “Katalysators” in einer Gemeinschaft. Was nicht immer angenehm sein muss: Was verdrängt, unangenehm, unsichtbar und ungewollt ist, wird auf den Mars-Neptun-Menschen projiziert und in ihm -schlimmstenfalls- bekämpft, bestenfalls ignoriert. Im allerbesten Fall fungiert der Mars-Neptun-Geprägte mitunter auch als Ventil für die schöpferischen Impulse seiner Umwelt: Taucht er in einer Gruppe auf, fließt das Schöpferische von allein, ohne dass er bewusst etwas dazu tun würde.

Zum Zweiten ist Mars-Neptun die “Revierflucht” in Folge der Duchsetzungsschwäche. Der eigentliche Grund hinter der Durchsetzungsschwäche aber liegt darin, dass Mars-Neptun immer dann bei einem Menschen auftaucht, wenn er in ein “Revier” (Milieu, Familie als “Sippe”) geboren wird, in dass er nicht hineinpasst und in dem er sich folglich auch nicht verwurzeln und “Revier gründen” darf. Wird das nicht verstanden, wird die Konstellation zerstörerisch.

Und damit sind wir auch beim Zahnverlust: Als eine mögliche Konsequenz kann sich ergeben, dass die Zähne schlecht werden und Probleme machen. Sie sagen dann ganz deutlich: Dort wo du dich durchsetzen (oder durchbeißen) möchtest, gehörst du gar nicht hin. Akzeptiere die für dich notwendige Vertreibung aus dem Paradies, um revierlos und statuslos zu sein, dann erst wirst du eigenständig. Und dann haben die Zähne auch keinen Grund mehr, auszufallen.

 

 

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Schlechtes Karma?

Das Karma ist in aller Munde – und auch in der Astrologie angelangt, was die Titelseite der aktuellen Ausgabe der Meridian (Fachzeitschrift für Astrologie)bestätigt. Auch und gerade als Theologin stelle ich mir die Frage: Was steckt hier eigentlich dahinter?

Karma ist die Sanskrit – Bezeichnung für die Tat  und das Handeln des Menschen und seine Folgen, im aktuellen Leben oder auch in darauffolgenden, im Zusammenhang des Glaubens an die Wiedergeburt. Jedes Handeln in meinem Leben hat eine Konsequenz, auch wenn ich diese nicht gleich erkenne. Mit meinem Tun in der Welt – ich würde sogar erweitern: mit meinen Einstellungen, Anschauungen, Ängsten, Hoffnungen – lasse ich meine Welt entstehen, erschaffe ich mir meine Welt. Bis hierher würde sich das durchaus mit der biblischen Lehre des Tun-Ergehens-Zusammenhangs vertragen – wäre dort nicht die Konsequenz in nächste und übernächste Leben hin verschoben. In christlichem Zusammenhang ist die Folge aus dem Tun immer auch gerade im diesseitigen, einzigen  Leben zu suchen, was die Verantwortung des Einzelnen enorm vergrößert.

Samsara, der ewige Kreislauf der Wiedergeburt.

Meine Vermutung geht ja in die Richtung, dass gerade das nicht sonderlich modern ist, und deshalb gerne (in verfälschter Weise) spirituelle Formen übernommen werden, die diese “Last” oder Aufgabe der persönlichen Verantwortung des eigenen Lebens erleichtern. Was macht das Faszinierende an der Lehre der Wiedergeburt aus? Der Witz ist ja der, dass für den gläubigen Hindu die Wiedergeburt absolut nichts erstrebenswertes ist, im Gegenteil: Er sucht sich daraus zu befreien, aus diesen ewigen Verstrickungen und dieser Unerlöstheit. Er sucht die Erlösung und das Aufgehobensein bei Gott, wie auch der Christ (hier freilich ohne die Umwege der Wiedergeburten). So soll auch der ewige Kreislauf der Wiedergeburten, der (im Bild ersichtlich) von einem Dämon bewacht wird, einmal münden in die Erlösung, nach der keine Wiedergeburt mehr nötig ist. Es ist ein ganz typisches Muster westlicher Vermischungsspiritualität, hier Wesentliches außer acht zu lassen, wenn Wiedergeburt als etwas Erstrebenswertes dargestellt wird. Wie gesagt: Kein Hindu käme auf die Idee. Im Gedanken der Wiedergeburt spiegelt sich die menschliche Erfahrung wider, dass einerseits durch meine grundsätzliche Verstrickung in Schuldzusammenhänge (vergleichbar hier die christliche Lehre der Erbschuld), in der sich der Mensch immer schon vorfindet, “Erlösung” nicht einfachhin möglich ist, andererseits die Erfahrung, dass “Ungelöstes” (Konflikte, Veranlagungen, Themen, die verschüttet oder verdrängt wurden) wiederkehrt und nach Lösung sucht. Nicht nur in meinem aktuellen Leben, sondern gerade auch in dem meiner Nachfahren.

Und hierzu kann man auch aus Sicht der Astrologie etwas anmerken.

Wie gesagt, die Erfahrung des Menschen zeigt, dass so manches im Leben “herumgeistert” (was in seltenen Fällen tatsächlich zu Geistererscheinungen führen mag), das mir zeigt, dass in meinem Leben Dinge sich in Verzauberung befinden, wie im Märchen, und auf Erlösung warten. Erlösung meint, wie im Märchen, das Erkennen und Artikulieren dessen, was Angst macht, was mir das als “Geist” erscheint, was mir als Kloß im Halse sitzt. Das Rumpelstilzchen beim Namen nennen – dann verliert es seine Macht über mein Leben. Und diese individuellen “Rumpelstilzchen” in meinem eigenen Leben können durchaus ihre Wurzeln bei meinen Ahnen haben – das zeigt auch meine persönliche Erfahrung mit der Beschäftigung mit den Geburtshoroskopen meiner eigenen Vorfahren. Es ist erstaunlich, wie sich immer wieder die gleichen Konstellationen wiederfinden. Man könnte sagen, wiedergeboren werden.

Was aber hier gleich zu sagen ist: Es ist hier, aus astrologischer Sicht, nie der Mensch, die ganze Persönlichkeit, die wiedergeboren wird, sondern eben nur jene Persönlichkeitsanteile (die Konstellationen) die schwierig zu leben waren und in den Leben meiner Vorfahren nicht zur Lösung gebracht wurden. Hier deckt sich das Gesagte auch mit der (originalen) Vorstellung der Wiedergeburt des Hinduismus: nur das Ungelöste muß (ja muß, nicht darf!) wiedergeboren werden, das aus seiner Verzauberung Erlöste nicht. Da es aber nicht ich bin, meine Person, die wiedergeboren wird, wird mir allerdings nichts an Verantwortung genommen, wenn es darum geht, meine mir gegebenen Anlagen zum Leben zu bringen, und irgendwann vielleicht auch zur Er-Lösung.

In meiner eigenen Herkunftsgeschichte ist es vor allem die Konstellation Sonne-Neptun, die bei fast jeder Person in meiner engeren Familie vorzufinden ist. Kein Wunder, dass dieses Thema mich, auch in einigen Artikeln in diesem Blog, immer wieder beschäftigt. Und dass neben meinen Geschwistern auch mein Partner und meine beiden Töchter diese Konstellation in ihrem Geburtsbild haben, ist wohl ein Zeichen dafür, dass diese Anlage immer noch auf ihre Ent-Zauberung wartet.

 

 

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Traum-hafte Erkenntnisse

Um Mißverständnissen bezüglich meines Verhältnisses zu Alpträumen vorzubeugen:

Ich leide nicht unter meinen Alpträumen – auch wenn ich oft darüber erschrecke. Sie sind wichtige Wegbegleiter und haben mich in Phasen der Veränderung und in Zeiten, in denen ich vergessen habe, auf mein innerstes Empfinden zu hören, immer wieder daran erinnert, wo ich gerade stehe. Ich möchte sie nicht missen. Das ist sicher auch ein Grund, warum ich immer die Tendenz zu unheimlichen und beängstigenden Träumen habe, wenn gerade Mond-Pluto gegeben ist: Ich weiß, dass ich meine Spur im Empfinden gelegentlich verliere, und es taucht bei Mond-Pluto dann eben wieder auf an den Ufern meines Bewusstseins. Mond-Pluto kann zum einen der Kanal ins Unbewusste sein, wenn ich aber hier wegschaue  und den Zugang verliere, wird die Konstellation zum verneinten und verdrängten Empfinden.

Alpträume bringen mich auf die richtige Spur, das erkenne ich zwar manchmal erst viel, viel später, aber es ist wahr. Träume sind Botschaften aus dem Reich des Neptun, deshalb sprechen sie in Bildern und unsterblichen Gestalten. Und deshalb sprechen sie die Wahrheit, ob es jetzt das Subjektive schmerzt oder nicht – das ist dem Himmel und seinen Gestalten herzlich egal.

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Verfolgungstraum unter dem Signum von Mond-Pluto

Dass ich verstärkt Alpträume habe wenn gerade Mond-Pluto als Konstellation gegeben ist, darüber habe ich schon oft geschrieben. Es scheint auch auf meine Tochter zuzutreffen.

Letzte Nacht wachte sie auf, zitternd vor Angst, und erzählt mir, sie habe geträumt, die Welt gehe unter. Genauer kann sie mir das Geschehen nicht erklären, außer dass es sich um eine Art Überschwemmung gehandelt hat, wobei die ganze Welt im Meer versunken ist.

Als ich daraufhin wieder eingeschlafen bin, hatte ich folgenden Traum: Ich bin mit meiner Familie auf Urlaub bin, und als ich nach draussen gehe, treffe ich auf einen mir unbekannten Mann, etwas älter, der mich überredet, mit ihm im Auto wegzufahren. Absurderweise lasse ich mich darauf ein und fahre mit. Er beschleunigt, wird immer schneller, und als wir dann an eine Abbiegung kommen, fährt er mit voller Geschwindigkeit geradeaus weiter gegen ein Haus. Während des Aufpralls denke ich noch, ich bin doch schwanger, hoffentlich bekomme ich keine Fehlgeburt. Wie durch ein Wunder bleibe ich unverletzt, der Fahrer scheint eingeklemmt zu sein. Ich springe aus dem Auto und laufe zu meinem Mann und meinen Kindern zurück. Ich erzähle ihnen von der Bedrohung durch den Fremden, dass er mich möglicherweise töten will und mein ungeborenes Kind auch. Die letzte Erinnerung an den Traum ist die, dass mein Freund mir noch helfen will, Türen und Fenster zu schützen, um keinen hereinzulassen.

Das Horoskop habe ich auf den Aufwachzeitpunkt am Morgen erstellt, als mir der Traum ins Bewusstsein kam.

Sonne und Aszendent stehen im Zeichen Fische, der Neptun ist auch noch in Haus 1, fast am AC. Es geht um Auflösung, alles entgleitet, im Realen, in der Erscheinung, denn der Standort des Geschehens ist Haus 1. Der AC ist auch noch auf 2°Fische, Gruppenschicksalspunkt von Saturn-Neptun und damit mein MC im Geburtshoroskop. Das lässt mich vermuten, dass die zur Zeit des Aufwachens gegebenen Konstellationen und der AC das Thema meiner Berufung berühren. Möglicherweise auch Ängste (Saturn-Neptun-Ängste vor Scheitern, Sinnlosigkeit, Ergebnislosigkeit), die damit (immer noch) zu tun haben. Ich denke beim Erwachen auch an den Traum meiner Tochter: das Bild der Überschwemmung, wobei ich schon erwähnt habe, dass dieses Bild mit dem Saturn-Neptun zu tun hat. Neptun steigt über die Ufer und überflutet die Grenze des Saturn.

Mars in Haus 7 ist der Aggressor, der aus der Aussenwelt auf mich (die Sonne in 1) tritt: Mars-Sonne als Aggression, die sich gegen das Leben richtet. Und zwar als Aggression, die dadurch erst zerstörerisch wird, weil sie den Neptun, das große Wasser, nicht angenommen hat, aus Angst oder was auch immer, und nun, nach einer Beschreibung von Döbereiner, zum “Zorn des Poseidon” wird. Im Übrigen Konstellationen die ich beide (Sonne-Neptun und Mars-Sonne) auch im Geburtshoroskop habe. Es scheint also auch, dass ich Alpträume habe, wenn Konstellationen gegeben sind, die ich selbst in meiner Veranlagung habe.

Und Mond-Pluto? Klarer Fall, das ist die Schwangerschaft. Die bedrohte, mit Angst verbundene, weil bei Mond-Pluto die Gefahr besteht, dem eigenen Empfinden nicht zu trauen. Es ist die Verweigerung oder Verkrampfung im Empfinden. Mond-Uranus ist auch da, wie eine Bestätigung für die Angst davor, ins Leben zu treten, zeichenhaft in der bedrohten Schwangerschaft, ein Ausdruck für diese Angst. Auch eine Konstellation die ich im Geburtshoroskop habe und die mich – siehe letzten Artikel – zur Zeit auch wieder mal beschäftigt hat.

Der Mond im Krebs, dazu noch in Haus 5, ist die Schwangerschaft, das Leben das darauf wartet, geboren zu werden. Die Angst genau davor, nämlich das Leben zu gebären, damit selbst ins Leben zu kommen (Identität und Eigenart zu haben, siehe unzählige meiner Gedanken dazu in vielen vergangenen geschriebenen Gedanken von mir dazu…) ist die Aspektierung durch Uranus und Pluto, beide wiederum verbunden im Quadrat, als Uranus-Pluto.

Mond-Pluto ist für mich die Qualität in der Zeit, die in besonderer Weise die Kanäle öffnet ins eigene Unbewusste, und natürlich genau deshalb auch in jene Tiefen, die noch auf Erlösung warten. Dieser Traum, auch der meiner Tochter, war wieder mal eine Bestätigung dafür, wie diese Konstellation, wenn sie gegeben ist, diese Schleusen öffnen kann.

 

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Aschenputtel, Kindheitserinnerungen.

Wenn mich jemand nach meinem Lieblingsmärchen während meiner Kindheit fragen würde, ich würde spontan antworten: Aschenputtel. Ich kann mich erinnern, dass ich dieses Märchen immer wieder hören wollte und es auch gerne für mich aufzeichnete (ich hab dabei natürlich nicht an Ausschmückungen der Ballkleider gespart) und dass mich die Geschichte überaus faszinierte, das wurde in meiner späteren Kindheit nur noch durch die kleine Meerjungfrau übertroffen…

Natürlich ist die Geschichte vom Aschenputtel sehr bekannt – dennoch bin ich mir sicher, dass sie etwas mit mir zu tun hat. Gerade heute ist mir das Märchen eingefallen, als ich in Gedanken bei meinem Verhältnis zu meiner Mutter war – ein durchaus gespaltenes. Der rote Faden von Mond-Uranus zieht sich durch meine Familiengeschichte und hat seine Spur auch in meinem Leben hinterlassen. Wolfgang Döbereiner nennt die Konstellation “im Auftrag der Mutter” – das Leben des Kindes hat eine Aufgabe zu erfüllen, die der Vorstellung der Mutter entspringt. Der Gruppenschicksalspunkt für Mond-Uranus liegt auf 20° Zwillinge, mein Sonnenstand, und prägt dadurch mein Sonne-Neptun-Identitätsfindungsthema entscheidend.

Was mich beim Aschenputtel an Mond-Uranus denken lässt:

Erstens, das (in Märchen -sicher nicht zufällig – sehr häufig anzutreffende) Thema der Mutterbeziehung. Auch die Beziehung zur Stief-Mutter zählt hier dazu, sie ist nur ein (Schatten-)Aspekt des Mutter-Archetyps.

Zweitens die Vögel (Tauben, Uranus-Entsprechung), die Aschenputtel zu Hilfe kommen und schließlich der Prinz (wieder ein Uranus) der die Situation endlich wieder heil macht und das Mädchen aus der Verfangenheit und der Vorstellungswelt ihrer Stiefmutter und den Stiefschwestern herausholt. Ähnlicher Fall bei Schneewittchen – hier wird das Mädchen nicht Frau, Neptun wird zum Pluto (in den Zwergen) und aus dieser verwickelten  nun entstandenen Mond-Pluto-Situation, die eine chronische Weigerung darstellt, sich als Frau zu empfinden, in Folge auch dem eigenen Empfinden nicht mehr zu trauen, ist nur der Prinz die Rettung, weil er das kleingebliebene Schneewittchen zur Frau macht – egal was Stiefmutter-Hexe-Mutter dazu  zu sagen hat. Hat sie auch nicht: die Macht der Mutter ist durch das Auftreten des Prinzen sowieso gebrochen.

Aschenputtel mit den Tauben

Am Anfang steht Aschenputtel im Dienst der (Stief-)Mutter – sie kommt nicht zum Leben, entwickelt keine Identität (sie hat keine zu haben), darf nicht in die Welt (die Dualität – denn dazu gehört ja wohl auch ein Mann dazu…), bleibt daheim “am Herd”. Jede Eigeninitiative am Leben teilzuhaben, wird mit neuen, scheinbar unlösbaren Aufträgen durch die Mutter verhindert. Doch in den Vögeln – einem Vogel am Grab der Mutter und den Tauben, die ihr in der Küche zu Hilfe kommen – findet sie Verbündete. Der Vogel, als Uranus, ist das befreiende Element, das das Leben erst zum Ur-Sprung kommen lässt. Es ist geradezu zeichenhaft, dass ich selbst, in einer Phase totaler Verhinderung, ein Zeit lang einen Kanarienvogel hatte – da kann man sich dann das Eigenleben anschauen, wie es im Käfig darauf wartet, ins Leben treten zu dürfen. Mit einer Veränderung meinerseits konnte ich dann den Anblick nicht mehr ertragen.

Mond-Uranus ist, in seiner unerlösten Form, der Zustand, in dem sich die Seele schützt und nicht ins Leben will, sich nicht “schmutzig”machen will – in seinen konkreten Formen über Reinheitsdenken, Gesundheitswahn, Ablehnung der Mutter wie der eigenen Weiblichkeit bis hin zur Ablehnung des Mannes. Die Lösung liegt darin, herauszutreten aus der “Glaskuppel”, hinein in das Leben, die Dualität, den Schmerz, den ganzen Schmutz des Daseins.

Der Kranich als "Seelenvogel" des Mond-Uranus: er erhebt sich aus den Wassern des Subjektiven, der Dualität.

Im Märchen ist es der Prinz, der Aschenputtel herausholt aus dem Käfig der Mutter, aus der Verweigerung heraus, in die Dualität einzutreten, dem Heraustretenwollen aus dem unmittelbaren Erleben – wie es der Kranich darstellt, in China nicht umsonst der Seelenvogel, der sinnbildlich für den Tod steht, das endgültige Verlassen der Dualität. Es liegt nahe, dass das nicht zu Lebzeiten passieren soll – es wäre ein Vorwegnehmen aus Angst, sich dem Leben voll und ganz zu stellen, eine Flucht vor der Realität, dem Erfahren von Schmerz, von Scheitern, von Unreinheit und so weiter.

Soll Uranus nicht die vorzeitige Flucht vor dem Leben werden, zeigt das Märchen andere Wege: Uranus wird zum Ur-Sprung in das Leben hinein.

 

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Leben heißt Scheitern können: Saturn-Neptun

Saturn ist der "Hüter der Schwelle", vor dem Tor in die Zeit

Es gibt eine sehr bekannte Parabel von Franz Kafka ( zu finden in seinem Roman Der Prozess), mit dem Titel “Vor dem Gesetz”. In dieser Erzählung geht es um einen Mann, der an das Tor zum Gesetz kommt, um darin Eintritt zu erlangen. Vor diesem Tür steht aber ein Türhüter, der ihm den Eintritt zum gegebenen Zeitpunkt verwehrt. Der Mann wartet vor dem Tor, im Verlauf der Erzählung wartet er sein Leben lang, und alle Versuche, die er unternimmt, um Eintritt zu bekommen, scheitern. Als er bereits am Sterben ist, fragt er  den Türhüter, warum Zeit seines Lebens niemand Anderer gekommen sei, um durch das Tor zu gelangen, und der Türhüter antwortet, dieses Tor sei nur für ihn bestimmt gewesen, er sperrt es daraufhin zu und verlässt den Sterbenden.

Als ich in den letzten Tagen über Saturn-Neptun nachdachte, kam mir dieses Gleichnis in den Sinn – möglicherweise, weil ich selbst Saturn-Neptun als Gruppenschicksalspunkt am MC, also genau an dieser Grenze in die Zeit, habe (MC auf 2°Fische). Saturn wurde in der klassischen Astrologie immer als der “Hüter der Schwelle” bezeichnet, alle Türen, Durchgänge und Schwellen sind ihm analog. Warum? Weil er der Herrscher des zehnten Hauses im Mundanhoroskop ist, der Herrscher der “Grenze” der Himmelsmitte (MC) in die Zeit. Denn alles, was jenseits des MC liegt, also der vierte Quadrant im Horoskop (10., 11. und 12. Haus) liegt im Zeitlosen, Ungreifbaren. Es ist der Bereich, der vor der Zeit liegt, wo alles das ruht, was noch ungeschehen und unverwirklicht ist. Man könnte auch sagen, der Bereich der reinen Möglichkeit, die noch nicht Realität geworden ist. In gewisser Weise liegt hier, vor allem im Beginn des vierten Quadranten, also dem 12. Haus, das Paradies, das Ungeteilte (wo es folglich noch keine Geschlechtlichkeit und keine Dualität gibt), ein Bereich der außerhalb der Zeit, damit der Endlichkeit und Vergänglichkeit liegt. Nach dem 12. Haus (Neptun und den Fischen zugeordnet) kommt das 11. Haus (Uranus und dem Wassermann zugeordnet), der Sprung (die Vertreibung?) aus dem Paradies, der schließlich  im 10. Haus vor dem Tor in die Zeit mündet.

Saturn als Kronos, der die Zeit und damit die Endlichkeit begründet - im Symbol der Sichel

Wenn sich der Hüter der Schwelle mit dem Gott des Meeres verbindet, entsteht Saturn-Neptun. Es ist das Bild des Grenzenlosen, des Wassers, das über die Grenzen der Zeit hindurchflutet, ein Bild der Überschwemmung. Hier möchte das Ungreifbare, das Land der Möglichkeiten, über das Ufer treten und Eintritt in die Zeit, und damit in das Leben, erlangen. Ist das möglich?

Der Ziegenfisch: das ursprüngliche Steinbocksymbol zeigt die Herkunft des Saturn aus dem Neptun.

Und hier sind wir genau an dem Punkt, an dem der Mann vom Lande, in der Parabel von Kafka, Eintritt in das Tor erlangen möchte. Für mich ist das ein Bild Kafkas selbst, der versucht, durch das Tor in die Zeit und in das Leben zu gelangen – und daran scheitert. Tun sich Neptun und Saturn zusammen, fehlt der Uranus, der den Ur-Sprung in das Geteilte, die Dualität, in das Leben erst möglich macht.

Geburtshoroskop von Franz Kafka. Quelle: M.Roscher, Das Buch der Horoskope.

Gleichzeitig ist damit der Uranus die Lösung für die ganze Problematik, die sich daraus ergeben kann: das Gefühl “nicht dazuzugehören”, die Flucht in Scheinwelten und Phantasie, das latente Gefühl, zu viel im Ungeschehenen liegengelassen zu haben, das Gefühl im Leben zu scheitern, die Depression.

Der (fehlende) Uranus ist die Lösung: Bei Kafka ist das umso deutlicher, als Uranus der einzige Planet ist, der außerhalb des vierten Quadranten steht, nämlich in Haus 2. Wo liegt also die Lösung, oder besser: wo hätte sie gelegen, denn Kafka weilt ja mittlerweile nicht mehr unter den Lebenden.

Da nahezu alle Planeten bei Kafka im vierten Quadranten stehen, ist er ein Mensch, der im Bereich vor der Zeit zuhause ist. Er hat den direkten Draht zum Unbewussten aller, zum Ungelösten, zum noch Ungeschehenen. Natürlich war er dadurch auch unverstanden, aber hochsensibel und phantasiebegabt. Zeit seines Lebens stand er unter dem Einfluss seines Vaters, ein Geschäftsmann, also ein Mann von Status, von “Welt”, könnte man sagen. Also ein Repräsentant genau jenes Bereichs, wo Kafka selbst niemals Fuß fassen hätte können, niemals Heimat finden. Genau das sagt Uranus in Haus 2: Verwurzle dich nicht, hab keinen sozialen Status, kein Revier, keine soziale Zugehörigkeit, auf die du deine Existenz aufbauen kannst. Das ist der Preis für das Schöpfen aus dem Unbewussten und das Artikulieren desselben – was er natürlich in seinem Schreiben auch getan hat. Nur durch das Tor in die Welt entlassen wollte er es nie, in seinem Testament bestimmte er noch, einen Großteil seiner Schriften verbrennen zu lassen.

Saturn und Neptun stehen in Haus 10, also ein Bild für das Geschehen von Saturn-Neptun. Es ist genau die Situation des Wartens an der Grenze in das Leben, in die Zeit: “Vor dem Gesetz” ist “vor der Zeit”, denn Zeit ist die Gesetzmäßigkeit des Lebens, alles was lebt, ist zeitlich.

“Scheitern” – um auf den Titel zurückzukommen – meint also das Hinnehmen des Scheiterns in einem Lebensbereich, auf den ein Mensch mit Saturn-Neptun seine Existenz nicht gründen sollte. Nämlich das Suchen nach einer Verwurzelung in der Welt (die ja an sich auch notwendig ist -zu einem gewissen Maß), die zu Abhängigkeit von sozialem Status, materieller Sicherheit und der Zugehörigkeit einer Gruppe führt. Lässt man diese Bedürfnisse los – ohne sie zu negieren! – eröffnen sich die schöpferischen Bereiche, wo es möglich wird, hinter die Dinge und Geschehnisse des Lebens zu schauen, und ein Gespür für das Verborgene, Unbewusste kann sich dann erst wirklich entwickeln. Eine Weltflucht ist dann im Grunde nicht mehr notwendig – ich kann in der Welt leben, und gleichzeitig aus dem Fluss des Unbewussten, des Transzendenten – wie auch immer man es nennen mag-  schöpfen und daraus leben. Dann verberge ich mich nicht mehr im Reich des Neptun (der Phantasie, der Scheinwelt, der reinen Möglichkeiten) sondern dann bringe ich eben diesen Neptun in die Welt und ins Leben.

 

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Astrologie und Christentum – ein Widerspruch?

Zur Zeit lese ich – bereits zum zweiten Mal – das Buch Astrologie christlich von Gerhard Voss. Er ist Benediktinerpater in Niederaltaich und damit eine (erfreuliche) Seltenheit: katholischer Theologe und Astrologe. Und deshalb auch nicht exkommuniziert worden, wohlgemerkt.

Das Buch von Pater Gerhard Voss

Also im Grunde ähnliche Vorraussetzungen wie bei mir :-)

Unten habe ich (leider dreifach aufgeteilt) eine kurze Dokumentation über Gerhard Voss und sein Astrologieverständnis angefügt. Sehr sehenswert!

 

 

 

Vieles, was ich in seinem Buch gelesen habe, spricht mir und meinem Verständnis von Welt, Mensch und Kosmos, wie auch meinem Hintergrund als Theologin aus dem Herzen. Es ist eine zutiefst menschliche Erfahrung, sich eingebettet zu fühlen in das geordnete Ganze der Schöpfung, und diese Erfahrung widerspricht auch der Erfahrung menschlicher Freiheit und der Freiheit des Willens nicht. Der Mensch steht immer schon in der Spannung zwischen dem Annehmen (-müssen) des ihm Zugeteilten (auch Schicksal genannt, das von Gott Geschickte) und der freien Entscheidung, innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens sein Leben zu gestalten. Der vielfach (seit der Frühzeit der Kirche) vorgebrachte Vorwurf gegenüber der Astrologie seitens der Kirche lautete ja, sie sei zu deterministisch und negiere den freien Willen des Menschen. Dennoch hat sie lange Zeit Eingang gefunden auch in das christliche Denken und wurde auch bis ins Hochmittelalter von Päpsten und Theologen nicht abgelehnt – nein, sogar aktiv in das Denken miteinbezogen.

Ich finde die Beobachtung von Pater Voss bemerkenswert, dass seit  dem Ende des Mittelalters, der Neuzeit und den Folgen der Aufklärung zunehmend eine Spaltung eingetreten ist, eine Spaltung die bis in die Gegenwart das Denken der Menschheit prägt: der rationalistische, analysierende Blick auf die Welt, die nur Einzelnes erkennt, und den Blick auf das Ganze zunehmend verliert (ich verwende hier jetzt einfach den Begriff “Wissenschaft”). Dem gegenüber wächst und pervertiert eine Sicht auf die Welt, die man heute wie vor 2000 Jahren auch immer noch “Gnosis” nennen kann: ein Überbegriff für eine Weltanschauung, in der der Blick auf das Ganze (des Kosmos, des Weltgeschehens) wiederum so im Vordergrund steht, dass das/der/die Einzelne darin verschwindet, sich darin auflöst wie ein Tropfen im Meer. Was ja zurecht seit der Frühzeit von der Kirche bekämpft wurde, denn die Individualität des Menschen ist und war im Christentum immer schon eine der zentralen Botschaften, die nicht verlorengehen durften.

Die allzu rigorose Abgrenzung in den ersten Jahrhunderten des Christentums, in Folge auch zahlreicher dogmatischer Festlegungen,  gerade gegenüber demjenigen Gedankengut, dass eine ordnende Intelligenz im Kosmos vertrat, in das sich der Mensch vertrauend einfühlen kann, führt zu oben genannter Spaltung und dem unkontrollierten Anwachsen ebendessen, was man zuvor “ausmerzen” wollte. Zahlreiche esoterische, okkultistische und ähnliche Strömungen wuchsen ja umso mehr seit der Zeit der zunehmender Verwissenschaftlichung und technischer Fortschritte (19. Jahrhundert, Jahrhundertwende).

Das Aufblühen esoterischer Gnosis ist immer auch ein Anfrage an die Kirche(n), wieweit hier die Tradition gläubiger Weisheit überzeigend lebendig ist, wieweit hier der Ort ist, an dem die Welt nicht nur kritisch auseinandergenommen wird, sondern mehr noch als vom Wort Gottes durchwirkte Einheit ins Auge gefasst und erfahren wird. Ich möchte die These wagen:

Die Ausgrenzung astrologischer Weisheit aus der Kirche ist bezeichnend für den Verlust der kosmischen Dimension kirchlichen Lebens in Theologie, Liturgie und Verkündigung.

(aus G. Voss, Astrologie Christlich, S.23)

Tierkreis, in der Mitte thront Jesus Christus

Gerade das beschriebene “Eingebettetsein” in die Schöpfung und ihre Zyklen, ihre Zeit-Qualitäten, ihrer immer wiederkehrenden gleichbleibenden Ordnung, nutzt und nutzte immer schon gerade auch die Kirche, um ihre Botschaft zu vermitteln.  In der Anordnung der Feste im Jahrekreis gibt es keine “Zufälle” oder willkürliche Zuordnungen – alte vorchristliche Feste wurden bewusst aufgegriffen und christlich interpretiert, neu mit Deutungen aufgefüllt. Was nicht heisst, dass die alten Deutungen verlorengegangen sind. Um nur einige Beispiele aufzugreifen: Das christliche Osterfest in Nachfolge des jüdischen Pessahfestes wurde immer schon im ersten Frühlingsmonat gefeiert – im Alten Testament hat das Pessahfest seinen Ort in der Vollmondnacht des ersten Frühlingsmonats. Bezeichnenderweise wurde hier ein “männliches, fehlerfreies, junges Lamm” (ein Widder) geopfert. Widder ist das erste Zeichen im Tierkreis, mit dem das Jahr astrologisch beginnt. Es steht für den Anfang, das “Ins-Leben-Kommen”, den Lebensimpuls. Eine Datierung des christlichen Auferstehungsfestes, in dem man das immer wieder erlebbare Siegen des Lebens über den Tod feiert, zu dieser Zeit ist sinn-voll. Ein weiteres wichtiges christliches Fest wird im ersten Wintermonat gefeiert, zur Zeit der Wintersonnenwende: das Weihnachtsfest. Der vorchristliche Bezug ist das römische Fest des Sonnengottes (sol invictus, die unbesiegbare Sonne; in der Folge wurde auch Jesus Christus oft so bezeichnet):  in der finstersten Zeit des Jahres wird gefeiert, dass in dieser Kargheit und Kälte (astrologisch die Zeit des Zeichens Steinbock) das Licht und die Wärme wieder durchsetzen wird. Ein weiteres Beispiel ist das Fest der Heiligen und der Toten: Allerheiligen, im November. Astrologisch die Zeit des Zeichens Skorpion, das ebengerade mit den Themen Tod und Wandlung, Tiefe, Unbewusstem verbunden wird.

Mich würde es auf keinen Fall wundern, wenn das Jesuskind damals von drei Astrologen gefunden und verehrt wurde: Die These gibt es tatsächlich, dass die drei Weisen aus dem Morgenland Sterndeuter waren, die die damals aktuelle Saturn-Jupiter-Konjunktion (gut sichtbar am Himmel als großes Licht, möglicherweise als Stern von Bethlehem) erkannten als Hinweis, ein großer König werde geboren.

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Wenn Neptun zum Pluto wird: Der Froschkönig

Als ich gestern über Mond-Neptun geschrieben habe, kam mir spontan das Märchen vom Froschkönig in den Sinn: Wäre das nicht eine Entsprechung zum Sonne-Neptun-Thema? Märchen sehe ich schon lange als Erfahrungsspeicher der Menschheit, in dem immer ein Weg von der Unerlöstheit, Verzauberung, der “Krise” – modern ausgedrückt – hin zur Erlösung und Weiterentwicklung bildhaft dargestellt wird.

Ich habe ja schon in einem anderen Artikel das Mond-Neptun-Thema einem Märchen zugeordnet: Schneewittchen. Hier wird das Weibliche (Mond) in Gestalt des Schneewittchens unterdrückt, hinter die sieben Berge geschickt, wo es unerlöst, ewig kindlich und unfertig (bei den Zwergen) weilt.

Beim Märchen vom Froschkönig ist es die goldene Kugel, die mich auf den Gedanken gebracht hat, sie mit  Sonne-Neptun zu assoziieren. Möglicherweise auch, weil ich selbst, seit ich begonnen habe zu zeichnen, ein immerwiederkehrendes Thema in meinen Bildern die Frau mit dem goldenen Ball in der Hand darstellt – ohne dabei jemals bewusst an das Märchen vom Froschkönig gedacht zu haben. Wie schon des Öfteren erwähnt, habe ich Sonne-Neptun (als Opposition und als Sonne in Haus 12) in meinem Geburtshoroskop.

Die Prinzessin mit der goldenen Kugel

 

Im Märchen fällt der Prinzessin im Wald (Neptun) ihre goldene Kugel (Sonne) in einen Brunnen (Wasser, wieder das Neptun-Thema). Wie auch schon erwähnt, hat die Sonne-Neptun-Konstellation auch damit zu tun, “nicht König sein zu dürfen” (Wolfgang Döbereiner). Das Selbst, der Selbstausdruck und das Erleben werden unterdrückt, bleiben im Schatten (“Schattenkönigdasein”) oder suchen sich vorgegebene Formen, in denen sie agieren können, ohne Eigenart zu zeigen.  Wird dieser Zustand chronisch, wird Neptun zum Pluto, und die geliehenen Ausdrucksformen werden zu Vorstellungen, die das Leben bestimmen (Sonne-Pluto). Hier sind wir direkt bei der goldenen Kugel angelangt: Sie wird folgerichtig von einem Frosch an das Licht gebracht.

Der Frosch im Brunnen: ein Pluto-Bild.

Der Frosch ist das Unfertige, Unerlöste(Pluto): er ist der verzauberte Prinz. Auch das Wasser (Neptun) in der Tiefe des Brunnens (Pluto) zeigt auf, wie Neptun zum Pluto, zur Verdrängung wird. Man kann also sagen, das Märchen vom Froschkönig zeigt eine wirklich zum Problem gewordene Sonne-Neptun-Situation. Das Lebendige ( im Symbol der Kugel, ein Sonnensymbol) ist schon so unterdrückt, das es als unerlöster Frosch im Brunnen sitzt.

Traurig – aber wie gesagt, Märchen bieten ja Lösungswege an.  Hinschauen, nicht weiter verdrängen, heisst die Lösung. Der Prinzessin ekelt es ziemlich vor dem “garstigen Wasserpatscher” wie es das Märchen der Gebrüder Grimm erzählt. Wer sieht schon gern in seine eigenen Abgründe, in die unerfüllten Wünsche, in das eigene unterdrückte, angepasste, nicht zum Leben Gekommene, das im Dunkeln auf seine Verwirklichung wartet? Taucht es einmal aus den Tiefen auf, überkommt einem Jeden erstmal Ekel.

Verdrängtes ist hartnäckig und taucht immer wieder auf, bis es in das Leben darf – in das Leben der Prinzessin auch. Die – auf den ersten Blick seltsam anmutende – Erlösung kommt lustigerweise, als die Prinzessin den Frosch gegen die Wand in ihrem Schlafzimmer knallt. Nach diesem Gefühlsausbruch steht nun der erlöste Prinz vor ihr: Die Sonne strahlt wieder.

Ich denke, dass das Märchen, neben der Notwendigkeit des Hinsehens auf das eigene Unerlöste, auch  die Notwendigkeit aufzeigt, die ganze damit verbundene Bandbreite an Empfindungen (Ekel, Angst, Nichtverstehen aber dennoch erstmal Annehmenmüssen) zu durchleben. Wirklich zu erleben - denn eine Problematik des Sonne-Neptun-Themas ist ja das unterdrückte Eigenerleben, die “Betäubung” des Lebens. Der wird ein radikales Ende gesetzt, wird der Frosch dann schließlich an die Wand geschmissen.

Eine schöne Bestätigung dafür zeigt sich auch im Ende des Märchens: Dem Diener des Prinzen, Heinrich, fallen die “Bande von seinem Herzen” ab: Das Herz (Analogie zur Sonne) ist wieder frei und echtes Empfinden und Erleben wird wieder möglich.

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Traum eines kleinen Neubeginns

In dieser Nacht träumte ich, ich habe die Aufgabe, auf ein kleines, winziges Würmchen aufzupassen. Dieses kleine Etwas ist nicht größer als circa zwei Zentimeter, klein und zerbrechlich, kaum zu sehen. Im Traum sitze ich an einem Teich, und beschäftige mich nebenher mit irgendeiner Arbeit, während ich auf das Würmchen achte, damit es nicht ins Wasser fällt oder verlorengeht. Kurz habe ich schon einen Anflug einer Angst, es könnte ins Wasser fallen und von einem Fisch gefressen werden – da fällt es auch schon hinein. Ich springe auf, stürze zum Wasser, greife gleich hinein und versuche das kleine Tierchen mit den Fingern wieder zu erwischen und rauszuziehen – ich kann es gerade noch retten. Ich erwache mit dem Gefühl einerseits der Erleichterung, dass ich das mir verantwortete Tier noch retten konnte, aber auch dem Gefühl der unbedingt notwendigen Wachsamkeit, die nun weitergehen muss.

Schon frühmorgens hatte ich dazu zwei Assoziationen:

Zum ersten die Erinnerung an eine Phase bis zwei Jahre nach der Geburt meiner ersten Tochter. Damals hatte ich laufend Träume, in denen mein Kind neben mir ins Wasser fällt, ertrinkt oder ich sie gerade noch retten kann.

Zum zweiten der Gedanke, dass in mir gerade etwas geboren wird, das noch sehr klein ist, zerbrechlich, sehr leicht zerstörbar – und ich deshalb sehr gut darauf aufpassen muss, damit es wachsen und ins Leben kommen kann. Es handelt sich dabei nicht um ein Kind (nein, ich bin nicht schwanger…), aber doch um Ideen, Phantasien und Träume, neue Träume, die im Begriff sind, in mir zu wachsen. Dass sie leicht zu zerstören sind, liegt daran, dass ich immer wieder dazu neige, mir durch Zweifel, Versagensängste und Perfektionismus meine Träume selbst wieder zu zerschlagen. Ein Problem, dass mir in der jüngsten Vergangenheit sehr stark ins Bewusstsein gekommen ist, und ich deshalb nun sensibilisiert betrachte.

Was hat das mit den Träumen meiner Vergangenheit zu tun, in denen mein Kind ins Wasser fällt? Ich denke, jedesmal, wenn ich selbst zur Mutter werde, einem Menschen das Leben schenke, steigt das Thema des Geborenwerdens in das eigene Leben im Bewusstsein hoch, mitsamt allen Ängsten, die damit verbunden sind. Das ist auch der Grund, warum die Geburt eines Kindes gar nicht so selten zu Lebenskrisen führt, aus meiner Erfahrung gerade in den ersten beiden Lebensjahren des Kindes. Die Geburt eines Kindes führt unweigerlich dazu, dass das, was im eigenen Leben nicht auf die Geburt und Verwirklichung wartet, verstärkt gespürt wird.

Neptun, Gott des großen Wassers des Unbewussten

Das ist sicher nicht für jede Frau gleich wahrnehmbar, hat auch mit der Anlage des Neptun im zweiten Quadranten ( Häuser 4, 5 und 6) zu tun, und mit den Konstellationen, in denen Neptun mit Planeten des mundan zweiten Quadranten verbunden ist (Mond-Neptun, Sonne-Neptun, Merkur-Neptun), was bei mir alles der Fall ist. Neptun im zweiten Quadranten entspricht der Lebensangst (im Unterschied zur Existenzangst, Neptun im ersten Quadranten), wie es Wolfgang Döbereiner ausdrückt. Es ist die Angst, ins Leben zu kommen, eigenständig zu werden, Anpassungszwänge und seelische Betäubung abzuschütteln und Eigenart zu leben.

Das den drei Ausgangspunkten (Mond, Sonne und Merkur in Verbindung mit Neptun, Anm. von mir) ist die Gefährdung durch die Eigenart. Es steigt als “genetische Vorleistung” die ererbte urrudimentäre Erfahrung der Gefährdung durch die Herde, einer Konkurrenzunterlegenheit auf und damit die Angst, Eigenart zu entwickeln. (…) Es zeichnet sich das Bild der Undine, als der Psyche, die verdrängt vom Lande des Bewusstseins in den Gewässern des Unbewussten verbleibt. Es ist das Bild der Nymphen, der Wassergeister, der Unwirklichen, die das Leben suchen, aber keine Gestalt bilden, keine Schatten werfen, sich fremde Gestalten ausleihen, um in ihnen aufzutauchen. Die in das Reich des Wassers verdrängte Seele taucht an den Ufern des Bewusstseins auf und erhält in geliehenen Gestalten Zugang zum bewussten Leben.

Dies geschieht in drei Formen:

- das Auftauchen in fremdem Empfinden, das mit dem Gefühl    nachgezeichnet wird  (Mond -Neptun)

- das Auftauchen in fremdem Erleben – es wird nach der Erlebnisrolle, die man sich gemäß einer entpersönlichten Neutralität vorstellt, erlebt (Sonne-Neptun)

- das Auftauchen in Anpassungsrollen – in unauffälligen und sachlichen Rollen, die von der Gesellschaft oder der Umwelt angeboten werden (Merkur-Neptun).

(aus Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen, Band 1, von Wolfgang Döbereiner)

 

Nun, zu den beschrieben Wassergeistern hatte ich ja immer schon Bezug. Schon als Kind träumte ich oft davon, eine Meerjungfrau zu sein, erfand ganze Geschichten, schrieb sie auch auf, in denen es um Unterwasserfrauen und ihre Sehnsucht nach Erlösung (natürlich in Form eines Prinzen, was sonst) ging, stellte mir vor, wie es wäre, unter Wasser zu leben, und so weiter. Im Unterschied zu heute, im Erwachsenendasein, machte das als Kind noch nicht Angst. Es ist eine andere Zeit, die diese Phantasien auch als Schutz (vor der Umwelt) braucht, diesen “schlafenden” Seelenzustand, der von Phantasien, Träumen, Sehnsüchten geprägt ist. Sie machen Sinn, solange man nicht (zum Beispiel durch die Geburt eines eigenen Kindes) darauf hingewiesen wird, aus sich selbst heraus zu leben.

Die unbewusste Sehnsucht, aber auch Angst, geht dahin, das Neugeborene (der Trieb  in das Leben, vielleicht erlebbar in einem eigenen Kind) wieder in den oben beschriebenen Wassern versinken zu lassen, um sich der eigenen Lebensangst nicht stellen zu müssen.

Und ja: Dieses Etwas versuche ich zur Zeit gerade immer wieder aus diesen Wassern herauszufischen. Es soll nicht ein Leben lang nur Träumerei und Phantasie bleiben. Gerade in beruflichen Fragen hatte ich zulange nur Ideen und Wünsche und viel zu viele Ängste, etwas wirklich auszuprobieren – aus Angst vor dem Scheitern. Ich kenne es aus meiner Kindheit und Jugend, und es zieht sich bis zur Gegenwart herauf: Viel im Kopf zu haben, und viel Angst vor der Verwirklichung. Das führt zwangsläufig in das mir sehr bekannte Gefühl, viel und gleichzeitig nichts zu können, viel anzufangen, bei wenig dabeizubleiben, nichts wirklich zur “Reife” heranwachsen zu lassen. Aus Angst natürlich. Es könnte ja auch schiefgehen.

Es darf schiefgehen!

Ein wesentlicher Punkt, warum es so verlockend ist, sich jahrelang in Phantasien und Träumen zu verlieren (so wertvoll diese auch sein können) ist die Flucht vor genau dieser Erfahrung: Dass alles auch schiefgehen kann, anders kommt, als erwartet.

 

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