Ich hab mir ja schon öfter gedacht, das meine Träume ab und zu absolut besten Filmstoff für richtige Horrorschocker wären – die letzte Nacht hat das wieder mal bestätigt.
Generell war die letzte Nacht unruhig, auch meine Kinder sind nicht eingeschlafen, beziehungsweise nachts stuundenlang wach. Anstrengend…Als ich dann(endlich) auch mal einschlafen durfte, hatte ich diesen Traum:
Ich befinde mich in einer Stadt, die ich jetzt einfach als Salzburg indentifiziere – vieles der Bilder im Traum erinnert mich an diese Stadt, in der ich doch fast sieben Jahre lang gewohnt habe. In der Stadt geht ein Mörder um, und ich bin ihm auf der Spur. Immer wieder komme ich “zufällig” dazu, wenn die Anschläge passieren, und kann diese beobachten. Es handelt sich um einen geheimnisvollen “Messermörder”, der auf fast magische Art und Weise Messer, eigentlich nur Klingen, fliegen lässt, und die Menschen so angreift. Nicht alle sterben dabei, einige werden nur verstümmelt, was auch nicht besser ist. Ich sehe zum Beispiel, als ich gerade an einem Schaufenster stehe, wie die geheimnisvollen Klingen plötzlich aus der Erde rausfliegen und einem Mann die Zehen abschneiden. Es ist echt ekelhaft. Ich habe das Gefühl, ich muss die Menschen warnen. Ich renne panisch durch die Stadt, kann aber nichts bewirken.

In einem Szenenwechsel befinde ich mich dann doch auf einmal im Haus des Mörders – ich habe ihn also doch gefunden. Zu meinem Erschrecken sind es aber zwei Männer, die dahinter stecken. Eines meiner Kinder, ich glaube die Kleine, ist auch da, und einer der Männer droht mir an, sie zu vergewaltigen. Ich fühle mich machtlos angesichts der Übermacht dieser beiden über mich.
Wieder Szenenwechsel: Ich bin in einer Sporthalle und warte auf meinen Liebhaber, ein alter Mann. Während ich auf ihn warte, überlege ich mnir, warum ich denn überhaupt auf diesen Mann warte. Er ist doch viel zu alt für mich. Warum habe ich mich da überhaupt reinziehen lassen? Was mache ich hier überhaupt?? So in meinen Gedanken beschließe ich, einfach zu gehen. Ich gehe in den Nebenraum, auch eine Art Turnhalle, und tanze oder trainiere dort irgendwas, ich weiß nicht mehr genau was.
Im Aufwachen höre ich, wie mein Freund neben mir im Schlaf meinen Namen sagt und dann auch noch leise aufschreit, so als hätte er auch gerade einen schlimmen Traum. Heute Mittag dann erzählte er mir auch, er hätte schlecht geträumt, kann sich aber nicht mehr erinnern, was es genau war.
Nun bin ich schon neugierig gewesen, was die aktuellen Konstellationen, vor allem die der letzten Nacht, da an Deutung oder Orientierung geben können. Hier die Radix der Nacht, erstellt auf drei Uhr morgens:

Um was geht es also in dieser Nacht? Der Aszendent steht im Zeichen Waage. Beziehungsthema, würde ich da spontan assoziieren. Beziehung im Sinne von Partnerschaft, aber auch alle anderen Beziehungen, die ich zu anderen Menschen habe. Welcher Art, wie äußert sich das? Herrscherin Venus steht in Haus drei, im Zeichen Steinbock. Es ist eine Venus, die Sicherheit und Beständigkeit sucht, eine, die Beziehungen festigen möchte, eine Venus, die keine Arbeit und Mühen scheut, wenn es um Beziehung geht. In Haus drei wird dieses Thema nach außen hin gezeigt, artikuliert und ausgedrückt. Herrscher des Steinbock, Saturn, ist in Haus eins: das Erscheinen dieses Themas (der Beziehung) ist maß-geblich, Ordnung und Sicherheit repräsentierend. Strenge im Erscheinungsbild. Als Menschen mit dieser Konstellation gedacht, stelle ich mir da vor, der kommt immer mit “erhobenem Zeigefinger” daher. Alles muß wohlgeordnet vor sich gehen – das ist immerhin auch das Waagethema, da verstehen sich die beiden Zeichen wunderbar. Schön, ordentlich, harmonisch muß es sein. Keine Fehler.
So – das wäre alles ganz wunderbar, wären da nicht noch Pluto, Mars und Mond, die da auch ein Wörtchen mitzureden haben: Im Horoskop steht Pluto bei der Venus, Mond im Quadrat dazu im Zeichen Widder, und Mars aus Haus elf im Zeichen Jungfrau, der als Sonne-Mars das Handeln und die Vorgehensweise des Trauminhalts bestimmt. Die Gefühlswelt in diesem Traum, die hinter der schönen Fassade (möglicherweise auch deswegen die Stadt Salzburg: schöne Fassade, depressiver Inhalt…) die Situation und das Geschehen prägt, ist aufgewühlt, chaotisch und leidenschaftlich. Es ist mitunter auch viel Zorn, der hier wirkt (Mond in Widder, Mond-Pluto in Kombination mit Mars-Sonne). Woher kommt der Zorn? Einerseits aus dem sechsten Haus, aus dem Bereich der Anpassung und Ausrichtung auf die in der Umwelt vorhandenen Bedingungen (Stellung des Mondes). Die Empfindungen wollen sich nicht anpassen, wollen auch die Sicherheit, die die Venus so gerne haben möchte, nicht. Andererseits kommt er Zorn aus dem elften Haus, aus dem Ungreifbaren, Schöpferischen, aus dem Himmel. Dort wo eigentlich die Vögel frei fliegen sollten, ist wieder das Zeichen Jungfrau, analog zum sechsten Haus, bestimmend. Also wieder: Anpassung, Vernunft, Ausrichtung auf das, was von aussen vorgegeben wird.
Gerade einen Tag vorher hatte ich ein – für mich schon aufwühlendes – Gespräch mit meinem Liebsten, und zwar über unsere momentane finanzielle Situation, und unsere Zukunft. Ganz salopp gesagt: Jede Jungfrau (mein Freund gehört auch dazu) kann sich bei meiner Einstellung zu Geld und Zukunftsplanung eigentlich nur mehr die Haare raufen. Ich habe kein Einkommen und fange eine (für mich durchaus sehr teure) Ausbildung an. Konkrete Ziele, damit verbunden, kann ich nicht vorweisen, nur Interesse, Neugierde, Freude an der Sache. Äußerst zweifelhaft für mich auch die Möglichkeit, meine “alte” Arbeit, die ich vor der Karenz gemacht habe, in naher Zukunft, aber auch irgendwann später wieder aufzugreifen. Im Grunde genau das Dilemma, das die Konstellationen der vergangenen Nacht aufzeigen. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass die Schreckensbilder meines Traums eine Verarbeitung genau dieses Themas darstellen. Freiheit und Leidenschaft versus Vernunft und Ökonomie. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Geliebtsein gegenüber der Verausgabung, des Energieüberschusses, der, nicht ausgelebt, zum Zorn wird, auch gegen sich selber.
Ich denke, dass in vielen (Alp-)Träumen Personen abgespaltene oder unerwünschte Seiten des Träumenden darstellen. Gerade in Alpträumen sind es die unerwünschten Seiten an mir, die mir dann als Mörder und Schreckensbilder entgegentreten. Etwas, das für eine Seite an mir unerwünscht ist, aber dennoch leben möchte, wird zum Schreckgespenst. Passe ich mich zu sehr an, werde zu vernünftig, zu sehr fokussiert auf “Fassadendenken” (Was denken die Anderen/Familie/Nachbarn/Freunde/Kirche/Was oder wer auch immer dazu? Und wie kann ich mich verhalten, dass mein Leben immer für alle diese genannten stimmt und angenommen wird? Logisch, geht nicht.)) dann wird der Mond zum zornigen Widdermond, und Mars – eigentlich meine Durchsetzungskraft, meine Energie, mein Eroberungsdrang – wendet sich gegen mich, anstatt für mich da zu sein. Das Verdrängte fühlt sich übermächtig an, Mars wird im Traum zum unkontrollierbaren Aggressor, der nur mehr gegen das Leben (auch in Gestalt des Kindes, das frische, neue Leben) arbeitet. Es sind die Jungfrauthemen im Traumhoroskop und der Mond in Haus sechs, die das ausdrücken. In meinem Geburtshoroskop stehen Neptun und Uranus in Haus sechs, die mir sagen: Passe dich nicht zu sehr deiner Umwelt an, werde eigenständig, unabhängig.
Was bleibt, als sich einfach vertrauensvoll hineinzustürzen? Ich kann es meinem Freund (wohlgemerkt: Steinbocksonne, Jungfrauaszendent!) gar nicht hoch genug anrechnen, wenn er mich – so die Konsequenz unseres Gesprächs – in allem was ich tun möchte, unterstützen wird.